Weinsinnige Erkenntnisse – Kalterersee Vernatsc

Weinsinnige Erkenntnisse #5 – Der Martin, der Vernatsch und anstößige Kalterersee-Fluten

Es gibt Momente, die zum Leben da sind. In denen man nicht nachdenken oder sich mit der grauen Tristesse des Alltags auseinandersetzen will. In denen man dem Hedonismus, nicht dem Realismus frönen und sich auf gar keinen Fall eines Besseren belehren lassen will. Manchmal passiert das an einem schönen Sommernachmittag, ein anderes mal in einer kühlen Herbstnacht. Es ist, egal wann, immer ein JETZT, welches so bescheiden wie beharrlich danach verlangt etwas Schönes zu erleben, zu spüren und zu schmecken. Etwas, das einem wieder Boden unter den Füßen gibt, ohne das Herz zu beschweren und einen luftige Höhenflüge erleben lässt, ohne dass man dabei den Kopf oder womöglich die Hose verliert. Man will dieses verliebte Schmetterlingsblabla im Bauch fühlen, aber nicht gleich Banane im Kopf sein. Man will Wein trinken – ohne verkrampftes Nippen, aber auch ohne verhängnisvolles Kippen. In solchen Momenten sind weder schwere Rote, noch glasklar Weiße das Richtige. Vielmehr braucht man jetzt den einen, den einen oder keinen. Denjenigen, der einem neue Welten eröffnet, ohne dass man dabei seine Komfortzone verlassen muss.

Weinsinnige Erkenntnisse – Kalterersee VernatscMan braucht Vernatsch. Vernatsch – eine autochthone Rebsorte aus Südtirol, die leicht gekühlt getrunken einen Sommertag sommerlicher und einen Wintertag auch sommerlicher macht. Vernatsch – der allen voran in der mediterranen Weinregion Kalterer See zu tanninarmem, fruchtigem Wein ausgebaut wird, welcher rubinrot und lichterfüllt im Glase schimmert und erfrischend kühl den Gaumen streichelt. Vernatsch – ein Rotwein, der die Inkarnation von leichtfüßiger Lebensfreude und planvoller Genusssucht ist. Ja, ich gebe zu, mein Herz schlägt für den lichten Roten vom Kalterer See. Aus diesem Grund will ich im Folgenden meine liquide Leidenschaft in lesbare Worte bündeln, um mich erst dem Trink- und dann dem Schreibrausche hinzugeben.

Weinsinnige Erkenntnisse – Kalterersee VernatscDa ich selbst jedoch ein bisschen verliebt und deshalb nicht wirklich kritikfähig bin (rot, so schön rot!!!), habe ich mir einen, zwar Vernatsch liebenden, aber aufgrund seiner Profession durchaus urteilsfähigen, vinophilen Romeo mit an Bord und den Verkostungstisch geholt. Gestatten? Martin Zieglmeier, ein weinsinniger, Voll(er)-Profi, der sich seine erste Trockenbeerenauslese mit zarten fünf Jahren von den Lippen leckte und heute in Geisels Weingalerie in München mit hochprozentigem Wissen sowie flotten Sprüchen vom Alltags- bis zum Prestigewein alles an den Mann bringt, was die hochkarätig besetzten Weinregale hergeben. Martin ist also der richtige Verbündete, um den „Kalterersee“ – das ist die Herkunftsbezeichnung für Vernatsch vom Kalterer See – zu lieben, zu ehren und zu trinken. Und Martin ist natürlich auch der perfekte Kamerad, um sich bei diesem errötenden Flaschendrehen noch ein paar zungenprofessionelle Kommentare bezüglich des kühlen Roten anhören zu können und beflissentlich zu notieren.

Weinsinnige Erkenntnisse – Kalterersee VernatscDoch einen Mitstreiter und -trinker in Sachen Kalterersee, beziehungsweise Vernatsch zu finden, ist gar nicht so einfach – jedenfalls außerhalb Südtirols und abseits der so eingefleischten wie eingetrunkenen Sommelier-Szene. Denn in unseren Breiten-, beziehungsweise Tresengraden ist Vernatsch – „Kalter Rotwein???!!!“ – weder besonders bekannt noch beliebt. Dabei will ich meine Wenigkeit gar nicht ausschließen, denn auch ich hätte womöglich mein ganzes Leben lang eine diffuse Leere im Herzen sowie im Glase gespürt und ihn, den Vernatsch, niemals kennengelernt, wenn mich meine durstige Leidenschaft sowie mein Job nicht nach Südtirol und ins idyllische Kaltern geführt hätten. Schließlich findet man Vernatsch in deutschen Landen weder in Regalen, noch auf Karten oder in Gläsern. „Die Deutschen müssen ihre Eier noch finden, um zuzugeben dass Vernatsch vor allem eines ist: SEXY.“  Richtig, Herr Zieglmeier. Doch die Erklärung (nicht Entschuldigung!) für diese traurige Eierlosigkeit, beziehungsweise eine gewisse Abneigung gegenüber Vernatsch ist in der liquiden Historie dieser Rebsorte aus dem sonnigen Südtirol zu finden.

DSC09359Die Achtzger warn’s! Die sind schuld. Da haben sie nämlich alle gesoffen. Blind. Und wild. Und die dicken Deutschen sind mit ihren VW-Familienkutschen im viel zu nahen Südtirol eingefallen, um sich den Bauch und die Autorückbank mit fettem Speck und rotem Wein vollzuschlagen – in der sauffreudigen Literflasche, versteht sich. Da die Nachfrage also groß und die Südtiroler nicht blöd waren, wurde der edle Vernatsch zum Massenprodukt, das dazu diente die schlechte Laune der Deutschen mit südlichem Charme hinunterzuspülen. Die Achtzger sind aus liquider Hinsicht ein weniger schönes bis katastrophales Kapitel, das glücklicherweise abgeschlossen ist, wobei Südtirol im Allgemeinen und Kaltern im Besonderen es verstanden haben, jegliche Fehler wieder gut und sogar alles noch besser zu machen. So wurde nicht zuletzt durch die fortlaufende Reduktion des Kalterersee-Ertrags von ursprünglich 200 Zentnern pro Hektar auf heutige 75 eine völlig neue An- und Ausbau Methode des Vernatsch entwickelt sowie ein Höchstmaß an Qualität gesichert.

Weinsinnige Erkenntnisse – Kalterersee VernatscUnd so spricht mir Martin, der ebenso wie ich die bösen Achtzger nur in weißwattige Windeln verpackt mitbekam, mit seinem „Tribute to Vernatsch“ aus der Seele. Schließlich sind wir beide weinskandaltechnisch unbefleckt, unvoreingenommen und können uns so tolerant wie politisch korrekt mannigfaltig getönten, erzogenen und aufgewachsenen Weinen offen und vorurteilsfrei entgegenstellen. Und diese Offenheit wird im Falle des Kalterersee mehr als belohnt, denn bei diesem samtig-frischen Roten möchte man den erstaunen Mund höchstens schließen, um den kühlen Tropfen die Kehle hinunterfließen zu lassen. „Vernatsch ist der beste Freund des Trinkers. Du kannst ihn immer trinken und ich schwöre, er wird dir nie zu blöd werden. Du hast kein Tannin des Todes im Mund. Du kannst ihn kühlen und die Aromatik hat immer etwas erfrischendes mit einer feinen Süße von Mandeln hinten raus.“ Ja Martin, genau! An dieser Stelle sollte nun ein kurzes Freeze das weitere Trink-Geschehen vorfreudig verzögern, um einen klugen Exkurs in Richtung Theorie zu ermöglichen. Denn, zum einen sollte man wissen, was der Unterschied zwischen Vernatsch und Kalterersee ist und zum anderen gilt es das Terroir des rubinroten Tropfens unter die weinsinnige Lupe zu nehmen. (Allzu Durstigen sei zum Weiterscrollen geraten. Doch Obacht! Selbst Wein kann klaffende Wissenslücken nicht nachhaltig auffüllen!)

Andi Sölva und sein KaltererseeDer aus Südtirol stammende Vernatsch unterteilt sich durch territoriale und stilistische Unterschiede in drei verschiedene DOC Klassifizierungen. So gibt es neben dem Kalterersee, welcher auf 605 Hektar um den Kalterer See und in fünf weiteren Regionen des Trentino angebaut werden darf, noch den Südtiroler Meraner sowie den St. Magdalener. Wir werden uns im Folgenden jedoch vor allem dem Kalterersee widmen – um genau zu sein, dem Kalterersee Classico. Denn, weil „fünf Gemeinden im Trentino“ doch eine recht schwammige Festlegung des italienischen Weingesetztes ist, haben die stolzen Südtiroler das Prädikat Classico für Kalterersee aus den Gebieten rund um Kaltern, Eppan, Tramin, Kurtasch, Montan, Neumarkt, Auer, Pfatten und Branzoll ins Leben gerufen sowie auf die Flaschen gedruckt. Nur in diesem „klassischen“ Falle darf übrigen auch der Begriff „Südtiroler” auf dem Etikett stehen, wobei anzumerken sei, wenn wir schon ein wenig paragraphieren, dass der Kalterersee außer Vernatsch noch 15 % Lagrein oder Blauburgunder enthalten darf.

Andi Sölva und sein KaltererseeDieser Kalterersee vom Kalterer See – die Schreibweise verrät, ob es sich um die Region oder den Wein handelt – spiegelt geschmacklich das Terroir Südtirols wieder, welches vor etwa 110.000 Jahren durch die letzte Eiszeit geprägt und gebildet wurde. Damals formten nämlich so fette wie klare Gletscherzungen die Täler und Berge der heute fruchtbaren Wein- und Obstregion. Dieses ganze Geschiebe und Gedrücke dauerte ungemütliche 10.000 Jahre und hinterließ vielfältige Böden sowie facettenreiche Mikroklimata innerhalb Südtirols.

Weinsinnige Erkenntnisse – Kalterersee VernatscUnd auch der Kalterer See hatte zu dieser Zeit seinen Ursprung, denn er ist nichts anderes als eine übrig gebliebene Pfütze aus eisiger Vorzeit. Um den blau glitzernden See herum bilden heute, neben Granit und Porphyr, vor allem tiefgründige Kalkschotterböden mit hohem Lehmanteil auf einer Höhe von 215 bis 315 Metern, die idealen Voraussetzungen, damit sich die Kalterersee-Reben auch richtig wohl fühlen und bestens versorgt sind. Da der prallbeerige Rote nicht nur Sonne ins Herz bringt, sondern diese auch zu seiner Reifung braucht, kommen den Trauben die warmen Temperaturen und das mediterrane Klima rund um den See gerade recht, wobei kühle Nächte und die nachmittägliche Durchlüftung von Seiten des 2000 Meter hohen Mendelkammes sich positiv auf die Aromatik der Weinbeeren auswirken.

Weinsinnige Erkenntnisse – Kalterersee VernatscDoch kommen wir nach diesem geistigen Ausflug ins Alto Adige in den lebendigen Moment und zum Glase zurück. In diesem befindet sich nämlich der Kalterersee Classico DOC 2016 „Uns’riger“, dessen Etikett als Hommage an die traditionellen Schürzen der Kalterer Winzer in adrettes Blau mit weißen Nadelstreifen gekleidet ist. Lust einfach Blau zu machen, bekommen wir allerdings auch als wir den hellen, rubinrot strahlenden, auf perfekte vierzehn Grad gekühlten Tropfen auf der Zunge haben. „Das ist einfach unkompliziert und macht Spaß! Der intellektuelle Trinker denkt da vielleicht, das sei zu einfach. Aber manchmal ist „einfach“ auch einfach gut. Vernatsch ist kein Burgund. Und das will er auch gar nicht sein.“ Ich kann nur verzückt und zustimmend mit dem Kopf nicken, denn der Uns’riger der genossenschaftlichen Kellerei Kaltern ist vielleicht kein Meditationswein, aber man bekommt so flausig schöne Gedanken.

Weinsinnige Erkenntnisse – Kalterersee VernatscEr liegt nicht schwer auf Zunge und Herz, sondern erfrischt selbige durch weiche Tannine, beerige Noten sowie eine dezente Bittermandelnote, die allerdings keinesfalls süß oder pappig ist. Wichtig beim Kalterersee, vor allem, wenn er nach der traditionellen Art im Stahltank und Betonfass ausgebaut wird, ist seine kühle Trinktemperatur von dreizehn bis fünfzehn Grad. Etwas wärmer als ein Weißer und ein bisschen kühler als ein Roter verrät dieser goldige Mittelwert auch etwas über den Charakter des Weines. So ist er von der Farbe und Struktur zwar deutlich ein Rotwein, aber durch seine frische Stilistik eben doch irgendwie nicht. Der Vernatsch ist die perfekte Mitte zwischen den beiden polarisierenden Weinfarben und passt gerade aufgrund dieses charmanten Grenzgängerdaseins zu jeder Tages- und Nachtzeit, zu jedem Wetter und an jeden Ort. „Vernatsch ist dieser eine Kumpel, der niemals nervt und der immer am Start ist. Du kannst mit ihm ins Theater gehen, ein Haus anzünden, philosophieren, feiern gehen oder nachts um drei die Welt neu erfinden.“ Und da man von solchen Freunden und Freuden nie genug haben kann, geht es auch schon weiter im fließenden Text.

Weinsinnige Erkenntnisse – Kalterersee VernatscAls nächstes widmen wir unsere geschmackvolle Aufmerksamkeit dem Leuchtenberg Kalterersee Classico Superiore DOC 2016, einer Auslese der Kellerei Kaltern. An dieser Stelle sei angemerkt, dass die genossenschaftlichen Kellereien in Südtirol aufgrund des hohen Anteils an Nebenerwerbs-Winzern – alleine in Kaltern bewirtschaften ganze 684 Weinbauern schnuckelige 490 Hektar Rebfläche – eine gewichtige Rolle spielen. Die Kellereien übernehmen dabei nicht nur den Ausbau der Trauben, sondern sie arbeiten bereits im Weinberg eng mit den Winzern zusammen, um so, von der Rebe bis in die Flasche, eine gleichbleibend hohe Qualität zu sichern. Für den Leuchtenberg wählte der talentierte Kalterer Kellermeister Andrea Moser ausschließlich Vernatsch Trauben von 20 bis 50 Jahre alten Reben und ließ diese nach einwöchiger Mazerationszeit – die Zeit, in welcher der Saft noch Maischekontakt hat – erst im Edelstahl und anschließend im Betonfass vergären und reifen.

Weinsinnige Erkenntnisse – Kalterersee Vernatsc„Der Leuchtenberg hat deutlich mehr Grip als der Uns’rige. Trotz der leichten Marzipan-Süße ist er sehr vollmundig, aromatisch und saftig. Da würde jetzt ein Schweinebraten mit mediterranen Kräutern oder auch Fisch passen. Aber irgendeiner, der in die fleischige Richtung geht wie beispielsweise ein Seeteufel oder Kabeljau. Eben was mit Dampf!“ Im Vergleich zum eher schnellschluckigen Uns’rigen merkt man beim Leuchtenberg doch die ausgewählte Qualität der verwendeten Trauben. So weist dieser Kalterersee noch etwas facettenreichere Nuancen von Veilchen und roten Beeren auf, wobei auch er sich, weich und saftig die Zunge umspielend, perfekt als Aperitif oder dem gepflegten Daydrinking eignet.

Weinsinnige Erkenntnisse – Kalterersee VernatscWer nach diesen zwei vergnüglichen Flaschenfreunden allerdings denkt, dass Kalterersee nur für den Moment geeignet sei und sich weder zum Ausbau im Holz, noch für eine spätere Lagerung eigne, der irrt gewaltig und sollte sich eines besseren betrinken lassen. Denn gerade in den letzten Jahren beweist eine Generation jüngerer Winzer, dass der Kalterersee auch durchaus zu mehr Bumms im Glas fähig ist. Kellerei unabhängige Winzer wie Andi Sölva oder auch der Kalterer Kellermeister Andrea experimentieren schon seit einiger Zeit mit Fasslagerung und Maischestandzeiten. So werden für den Pfarrhof Kalterersee Classico Superiore DOC 2016 – der nächste Wein auf unserer liquiden Agenda – die Trauben von rund 30 bis 70 Jahre alten Reben nach einer zehntägigen Mazerationszeit zuerst reduktiv in Stahl und Beton vergoren und danach oxidativ im großen Holzfass ausgebaut. Der Holzkontakt, die längere Maischestandzeit und sechs Monate auf der Feinhefe machen sich nicht nur farblich durch ein tiefes Rubinrot bemerkbar, sondern auch seine Tanninstrukturen sind ausgeprägter.

Weinsinnige Erkenntnisse – Kalterersee VernatscDer Pfarrhof beweist nicht zuletzt durch seine Länge am Gaumen Charakterstärke – ohne jedoch allzu aufdringlich im Hals zu kratzen und fellige Zähne zu machen. „Der Pfarrhof schmeckt an sich jetzt schon gut, aber er ist definitiv ein Wein zum Weglegen und Lagern. Mit dem wirst du in ein paar Jahren noch mehr Spaß haben! Wenn du ihn allerdings unbedingt jetzt schon aufreißen willst, dann iss was Kräftiges dazu. Spaghetti Bolognese zum Beispiel!“ Ob Spaghetti Bolo oder doch lieber eine traditionelle Marende, eine Südtiroler Jause a.k.a. Brotzeit, bestehend aus Speck, Käse und knusperfrischem Schüttelbrot, der richtige Teller-Kompagnon zum Pfarrhof ist, sei jedem selbst überlassen – sicher ist jedoch, dass eine zwei- oder auch dreijährige Lagerung dem Pfarrhof gut täte und seine Aromen so noch eindrucksvoller zur Geltung kommen würden. Hier sei kurz bemerkt, dass ich bereits in den Genuss von mehr als zehn Jahre alten Kalterersee Weinen kam und von deren Komplexität und gleichzeitiger Frische mittelschwer geschockt war – ein Erfahrungswert, welcher jedes Vorurteil, Vernatsch eigne sich nicht zur Lagerung, so geschmackvoll wie schluckstark vom Verkostungstisch räumen sollte.

Weinsinnige Erkenntnisse – Kalterersee VernatscIn einer ähnlich holzstarken Liga spielt auch das kunst.stück der Kellerei Kaltern. Für diese 2014 ins Leben und die Flasche gerufene Sonderedition werden ausschließlich Trauben verwendet, welche den Kellermeister aufgrund ihrer herausragenden Güte besonders begeistert haben. Trauben, mit denen die Natur eben ein „Kunststück“ vollbrachte, welches vom Kellermeister anschließend vollendet wird, um in limitierter Stückzahl in Magnumflaschen gefüllt zu werden.

Weinsinnige Erkenntnisse – Kalterersee Vernatsc2014 war das kunst.stück ein Weißburgunder und letztes Jahr waren es Kalterersee-Trauben, die Andrea am meisten beeindruckten und welche er nach einer fünfzehntägigen Mazerationszeit für acht Monate auf der Feinhefe im großen Holzfass lagern ließ. Da das kunst.stück Kalterersee Classico Superiore 2016 allerdings erst im Spätsommer zur Füllung kommen wird, haben wir die Ehre bereits eine Fassprobe des artistische Tropfens vorverkosten zu dürfen. „Wow, das wird mal ein ziemlicher Knaller. Noch ist er ein bisschen unruhig, aber man merkt schon die geschmackliche Vielfalt und das Potential.“ Und tatsächlich kann man sich, trotz der noch stürmischen Aromen und einer gewissen Wildheit lebhaft und schluckfreudig vorstellen, dass dieser rubinrote Tropfen unter den begabten Händen Andreas ein wahrlich kunstvolles Glas-Schmuckstück werden wird.

Weinsinnige Erkenntnisse – Kalterersee VernatscUm noch einmal etwas total Verrücktes zum Abschluss unserer weinsinnigen Verkostung zu wagen, öffnen wir noch eine Flasche…. NEIN! Keinen Kalterersee…, sondern einen St. Magdalener, der anderen, geographischen, klimatischen und erdigen Bedingungen ausgesetzt war als der Kalterersee. So wuchsen die Reben für den St. Magdalener Rondell 2012 von Franz Gojers Glögglhof auf den sandigen Böden rund um den Ort St. Magdalena bei Bozen. Der Winzer verwendete für dieses Prestigestück seiner Vernatsch-Kollektion, ausschließlich die besten, ältesten Reben seines Weinguts und baute diese nach der kontrollierten Gärung im Stahltank im großen Holzfass aus. Den holzigen Kontakt merkt man dem kräftigen Roten deutlich an, denn zu der typischen, vernatschigen Munterkeit und Beerenfrische, kommen deutlich würzigere Aromen als wir es von seinem Kalterersee-Bruder gewöhnt sind. Zudem beweist sein Alter von fünf Jahren erneut, dass Vernatsch lagerfähig ist und auch sein Vermögen einen feinen Schmaus zu unterstreichen sowie hinunterzuspülen macht den Rondell zu einem höchst sympathischen Glas-Gesellen. „Dazu passt ein ordentliches Stück Steak mit Salz und Olivenöl. Weniger ist bei diesem Wein mehr.

Weinsinnige Erkenntnisse – Kalterersee VernatscDa wir zum aktuellen Zeitpunkt allerdings eher Mehr als Weniger hatten, ist es jetzt mehr oder weniger an der Zeit die Flaschen zu schließen. Wobei… eigentlich fühlen wir uns noch voller Elan und man könnte jetzt theoretisch noch weiterziehen…? Bezüglich dieser kniffligen Fragestellung kann der weltmännische und erfahrene Herr Zieglmeier natürlich auch aus dem Nähkästchen, beziehungsweise dem Weinkistchen plaudern und mit einschlägigen Erfahrungswerten zur (Er)Klärung der Situation beitragen. „Vernatsch made me do it! Das ist einfach ein Wein, der Bock macht. Egal, ob du schon vierzehn Stunden lang einen extended Aperitivo zu dir genommen oder eine stattliche Schlagzahl an Flaschen hinter dir hast – trink’ einen gekühlten Vernatsch und es wirkt wie ein Befreiungsschlag für jedes sensorische Organ in deinem Mund. Das ist so, als würden dich nach zwölf Stunden Techno-Rave plötzlich Motorhead anbrüllen und dich wieder zur Vernunft bringen. Plötzlich willst du wieder schmecken, trinken, essen und bestellst dir nach dem Vernatsch garantiert noch eine Flasche Champagner.”
Weinsinnige Erkenntnisse – Kalterersee VernatscAuch, wenn wir uns am heutigen Abend dann doch gegen den Champagner entscheiden und ich mich vermutlich niemals von Motorhead anbrüllen lassen werde, muss ich Weinprofi und Flaschenkenner Martin dieses schluckstarke Argument lassen. Vernatsch und explizit der Kalterersee kann viel mehr, als man vielleicht beim ersten Schluck denkt, denn er macht nicht nur den Moment genussvoll, sondern er hat auch Tiefe und hinterlässt einen bleibenden Eindruck – ohne jedoch durch eine übertriebenen Haudrauf-Attitude oder eine anstrengende Komplexität die Zunge zu nerven.

Weinsinnige Erkenntnisse – Kalterersee VernatscVernatsch macht Spaß und passt immer. Er ist kein uninteressanter Anfängerwein, aber er schmeckt auch Weinbeginnern. Er ist kein Meditationswein, aber man kommt im Moment und bei sich selbst an. Er ist kein Burgund. Und das ist auch gut so. Vernatsch liegt nicht schwer auf der Zunge, sondern er bringt dieselbe zum Schnalzen. Kurzum – Vernatsch macht die Welt ein wenig bunter, ohne einem die süßliche Rosé(wein)brille auf die verzückt gekräuselte Nase zu setzen. Vernatsch made you do this? So do and drink it again! 

No click. No cheers. Und: Kein Schoppen ohne Shoppen. 

Kellerei Kaltern – Kalterersee Classico DOC 2016 „Uns’riger“: 6,90€ auf Nachfrage über das Winecenter der Kellerei Kaltern erhältlich

Kellerei Kaltern – Leuchtenberg Kalterersee Classico Superiore DOC 2016: 8,99€ – 10,20€ zum Beispiel bei PUR Südtirol  oder Vinusta

Kellerei Kaltern – Pfarrhof Kalterersee Classico Superiore DOC 2016: 10,90€ – 12,30€ zum Beispiel bei PUR Südtirol  oder Vinusta

Kellerei Kaltern – kunst.stück Kalterersee Classico Superiore 2016:  Magnumflasche für 95,00€ ab 1. Oktober 2017 zum Beispiel im Winecenter der Kellerei Kaltern erhältlich

Franz Gojer, Glögglhof – St. Magdalener Rondell 2012: um die 12€ zum Beispiel bei Weinhalle

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