Spirit of the Moment – der Mojito

Sp(i)rit of the MomentDer Mojito. Liquider Pool Boy und ru(h)mreiche gute Laune-Medizin

Sonne. Wärme. Leben. – Manchmal sind es genau die einfachen, aber essentiellen Dinge, welche man vermisst, braucht oder sogar ganz bitter nötig hat. Jeder kennt sie schließlich, diese Momente, Stunden oder Tage, an denen man sich nicht mit Alltagssorgen herumschlagen will und sich keine Gedanken über jegliche Kausalitäten des Seins machen mag. Man möchte vielmehr emotional und körperlich die Füße hochlegen, den Kopf einen Gang zurückschalten und die Hosen am besten auch gleich ausziehen. Solche Momente der Einfachheit, der puren Lebensfreude und sonnigen Alltagsvergessenheit verlangen nach einem ganz speziellen Drink: dem Mojito. Denn dieser aus Kuba stammende Rum-Klassiker ist quasi das Bikini-Mädchen oder der goldbekettete Pool Boy im Glas, welcher weder komplizierter Zubereitungsmethoden, Ingredienzien noch Gedanken bedarf, sondern ausschließlich dafür gemacht ist, das lebendige Hierundjetzt sowie eine Extraportion Rum in sich aufzusaugen.

Spirit of the Moment – der MojitoRum. Zucker. Minze. Limette. Eis. Sodawasser. Kein Shaken. Kein Abseien oder Aufgießen. – Der Mojito kommt mit dem Notwendigsten, nämlich Glas und Muddler, aus. Er ist anspruchslos ohne dabei niveaulos zu sein. Vorausgesetzt natürlich wir sprechen über einen „richtigen“ Mojito, denn es geht wohl jedem so, dass er mit diesem Drink in Teenager-Diskozeiten oder an plastikbebecherten Allinklusive-Tresen genossen, die ein oder andere schlecht aufstoßende-Erinnerung verbindet. Gerade aufgrund seiner Unkompliziertheit sollte deshalb höchstes Augenmerk auf die Qualität und Authentizität seiner Zutaten gelegt werden, wobei wir insbesondere seinem Herzen, dem Rum unsere genussvolle Aufmerksamkeit entgegenbringen wollen. Nicht nur aufgrund seiner Herkunft, dem so lebhaft-bunten wie stolzen Kuba, empfiehlt sich der Griff zu einem Destillat, welches dem Mojito nicht zuletzt durch Ernest Hemingway – dazu später mehr – in den 1930er Jahren zu Ru(h)m, Ehre und seiner liquiden Verbreitung verhalf: Die Rede ist vom zartgolden gefärbten Havana Club 3 Años.

Spirit of the Moment – der MojitoHavana Club wurde im Jahre 1935 auf Kuba gegründet – einer Zeit, in welcher die US-Amerikaner die karibische Insel und insbesondere Havana als Enklave der Lust, des Spaßes und des Genusses ansahen. Hotels, Bars, Casinos und Paläste schossen aus dem mit amerikanischem Geld gepflasterten Boden und der Rum floss in Strömen. Gute Voraussetzung also für die Gründung einer neuen Marke, welche sich in Anlehnung an die englische Sprache Havana Club nannte.

Spirit of the Moment – der MojitoDoch der goldige Glanz dieses Disneylands für Erwachsene hatte natürlich auch eine dreckig-matte Kehrseite, nämlich die Unterdrückung und Ausbeutung der kubanischen Bevölkerung durch das Batista-Regime. Nach der Revolution kam 1959 Fidel Castro an die Macht, welcher den Kommunismus nach Kuba brachte und so auch die Destillerie Havana Club in den Staatsbesitz überging. Jegliche Vor- und Nachteile des Kommunismus außer Acht gelassen, sind die Kubaner auch heute noch stolz auf ihr traditionelles Kulturgut, den Rum, sodass bei Havana Club mit größter Sorgfalt und besonders hohen Qualitätsansprüchen gearbeitet wird.

Spirit of the Moment – der MojitoUm die Qualität ihres „Ron de Cuba“ sicherzustellen, wird die Verantwortung für seine Güte seit jeher in die persönlichen Hände der so genannten Maestro del Ron Cubano gelegt. Diese derzeit acht sorgfältig ausgewählten und bis zu fünfzehnjahren ausgebildeten Rummeister wählen die verwendeten Rohstoffe aus, überprüfen den Herstellungsprozesses und kreieren am Ende die endgültige Zusammensetzung der Blends. Dabei stellt die Basis des Havana Club Rums die Melasse dar – ein Sirup, welcher beim Auskochen des Zuckerrohrsaftes zurück bleibt. Im Gegensatz zu einem so genannten Rum Agricole, welcher aus dem gesamten Zuckerrohrsaft destilliert wird, hat der kubanische Rum daher weniger grüne und grasige Noten, sondern er weist besonders weiche und an Honig erinnernde Aromen auf. Nachdem die Melasse innerhalb eines Tages mit zugesetzten Hefen fermentiert wird, erfolgt eine besonders langsame Destillation, wodurch besonders volle und kräftige Aromen entstehen können. Dieses so genannte Aguardiente wird nun für zwei Jahre lang in gebrauchten Bourbounfässern gelagert – ein für Havana Club typisches Verfahren, das selbst den hellen Rumsorten einen zarten Goldton verleiht.

Spirit of the Moment – der MojitoNach dieser zweijährigen Reifezeit wird aus dem Destillat gemeinsam mit anderen, teilweise älteren Qualitäten von den Maestro del Ron Cubano eine Blend kreiert, welche dann – im Falle des 3 Años – erneut für ein Jahr im Fass gelagert wird. Durch diese Lagertechnik weist bereits der weiße Rum neben seiner leichten Färbung eine facettenreiche Aromatik auf, welche an Vanille, feinen Blütenhonig und Banane erinnert.

Spirit of the Moment – der MojitoDiese Leichtigkeit und sein weicher Geschmack macht den Dreijährigen zur idealen Mojito-Basis, sodass spätestens beim Zusammentreffen desselben mit frischer (!) Minze und spritzigem Limettensaft jede Menge Rum-ble im Glas garantiert ist. Neben Aroma und Säure, darf beim Mojito natürlich auch die Süße in Form von Rohrzucker nicht fehlen, wobei zu beachten wäre, dass die Wahl auf einen weißen, feinen Rohrzucker fällt, welcher im Gegensatz zu seinem groben, braunen Kollegen kein zähneknirschendes Unwohlsein auf Seiten des Trinkers hervorruft. Schließlich fehlt nur noch ein kleiner Schluck Sodawasser, welcher gute Laune, einen moderaten Alkoholgehalt sowie ein anregendes Zungenbizzeln verursacht, die Daydrinking-Qualität des Mojito sicherstellt und den Durstigen Schluck für Schluck in die emotionale Pool-Area katapultiert.

Spirit of the Moment – der MojitoDass der Mojito über eine solche (Seelen-)Heilende Wirkung verfügt und quasi die Rum-treiberische Inkarnation des berühmten Spaßes im Glase ist, wusste man schon im 16. Jahrhundert. Damals hatte nämlich der englische Freibeuter Sir Francis Drake die Nase vorn, beziehungsweise einen findigen Arzt. Aufgrund wilder Seegefechte in der Karibik, ordentlich Rumble in the Jungle und vermutlich auch dem ein oder anderen allzu dicken Fisch jammerte der gute Francis nämlich des öfteren über Herz- und Darmzerreißende Magenschmerzen, sodass sein Doktor ihm einen ganz speziellen Trank zusammenbraute, beziehungsweise -schüttete. Für diese Medizin – welche später durchaus doppeldeutig El Draque, zu deutsch „der Drache“ genannt wurde – mischte Drake’s Arzt Aguardiente de Caña, einen einfachen Zuckerrohrschnaps, mit Minze sowie Limettensaft und versüßte seinem Patienten das Ganze noch mit einem ordentlichen Löffel Zucker. Da Sir Francis Drake einer der damaligen Stars in der Freibeuter- und Entdeckerszene – heute würde man sagen, ein Wellen-machender Influencer – war, wurde seine Medizin auch von Anderen nachgeahmt und erfreute sich schon bald großer Beliebtheit im karibischen Raum. Über die Jahre und Generationen entwickelte sich die Rezepter des Trankes weiter und auch seine Bezeichnung El Draque hielt sich nicht – vermutlich erschien sie als allzu einschüchternd für diese gute Laune-Medizin.

Spirit of the Moment – der MojitoUnd so kam es schließlich dazu, dass der Rum-Trunk nicht mehr nur in Gläser und durstige Kehlen, sondern auch in Schriftzeichen gegossen wurde, denn im Jahre 1910 findet er sich das erste Mal unter der Bezeichnung „Mojito“ auf einer kubanischen Barkarte. Zu dieser Zeit waren eisgekühlte Drinks aufgrund der neuen, kommerziellen Eisproduktion besonders en vogue und, weil Havana cocktailtechnisch schon damals ein karibisches Paradies war, erfreute sich dieser neue, eisgekühlte und erfrischende Mojito in der Bar La Concha im Zentrum Havana’s größter Beliebtheit.

Spirit of the Moment – der MojitoNicht nur das Eis und die Zubereitung des Trankes mit weißem Rum machten den Mojito bei heißen Temperaturen und Gemütern zum neuen Tresen-Liebling, sondern auch der Name war so treffend wie verheißungsvoll gewählt. So leitet sich Mojito vom westafrikanischen Wort „mojo“ ab – wobei zur Erklärung der afrikanischen und nicht spanischen Etymologie bemerkt sei, dass aufgrund des brutalen Sklavenhandels bis 1886 tausende Afrikaner nach Kuba verschleppt wurden. Dieses afrikanische „mojo“ bezeichnete ein Stoffbeutelchen, in welchem magische Gewürze und Zaubergegenstände aufbewahrt wurden. Sein Diminutiv „mojito“ bedeutet folglich nichts anderes als „kleiner Zauber“.

Spirit of the Moment – der MojitoDieser so verheißungsvollen wie charmanten, liquiden Zauberei gab sich auch der leidenschaftliche Trinker und Schriftsteller Ernest Hemingway hin, welcher in den 1930er- und 1940er-Jahren das Rum-Paradies Kuba und insbesondere die Tresen Havanas für inspirierende und infusierende Daydrinking-Sessions aufsuchte. Und, weil der gute Hemingway nicht nur ein talentierter Connaisseur und wortgewandter Lebemann, sondern auch ein bekannter, preisgekrönter Autor war, konnte es nicht lange dauern, bis die damalige Bohème sowie sämtliche Szenegänger von ihm beeinflusst den Mojito ebenfalls in Strömen fließen ließen.
Spirit of the Moment – der MojitoSchließlich weiß man ja auch heute, dass es nichts marketingwirksameres gibt, als einen US-Star an einem bestimmten, markigen Getränk nuckeln zu lassen, welches ihm im besten Fall auch noch zu jeder Menge Ru(h)m und großartigen Werken verhilft. Da Hemingway sich natürlich nicht mit jedem x-beliebigen Zauber’chen zufrieden gab und vermutlich aufgrund seines Hotellebens in Havana ein Zuhause-Gefühl vermisste, wurde er zum Stammgast in der Bodeguita del Medio, einer Location, welche damals von Angel Martinez als „Store in Store-Concept“, nämlich Lebensmittelladen plus Bar, geführt wurde.

Spirit of the Moment – der MojitoHier stand er am Tresen, schaute dem bunten Treiben auf der Straße zu, notierte sich den ein oder anderen Gedanken und nippte an dem ein oder anderen Mojito. So soll er damals auch „My Mojito in La Bodeguita, my Daiquiri in El Floridita“ gesagt haben, was den beiden Lieblingsdrinks Hemingway’s zu ebensolchem Ruhm verhalf wie seinen beiden favorisierten Bars, die auch heute noch eine – leider allzuoft überlaufene – Anlaufstelle für Trinkbegeisterte und nervige Touristenschwärme darstellen.

Spirit of the Moment – der MojitoWer sich diesem Getümmel nicht stellen will, dem sei innerhalb Havanas die Rooftopbar des in den 1930er Jahren erbauten Capri-Hotels empfohlen. Hier haben die charmanten Barkeeper noch ein wenig mehr Zeit für den Mojito und die Gäste und man kann – by the way – auch im türkisblauen Pool plantschen. Egal, ob im Land seiner Herkunft oder daheim, am eigenen Tresen – das Geheimnis, oder besser, der Zauber des Mojito liegt in seiner unkomplizierten Einfachheit sowie der Qualität und Originalität der verwendeten Zutaten.

Spirit of the Moment – der MojitoUnd so kann man doch behaupten, dass der Mojito, wie eingangs erwähnt, nicht nur der richtige Drink für die sonnigen Zeiten im Leben ist und ein stimmiger Glaspartner für beckenplanschende, vertrödelte Nachmittage. Vielmehr bringt dieser zauberhaft-süffige Pool Boy im Glas an von äußerer sowie innerer Grauheit vernebelten Tagen und an herzzerreißend niedrig temperierte Orte ein wenig Sommer, Sonne und die Lebendigkeit seiner Heimat Kuba – einem Land, in welchem trotz widriger Umstände die Kraft der Farben und die Freude der Menschen beweisen und zeigen, dass das Leben doch eigentlich eine verdammt schöne Sache ist.

Der Mojito aus Havana

5cl Havana Club Añejo 3 Años

2 Barlöffel weißer Rohrzucker

Frischer Limettensaft

3 Stängel frische Minze

9cl Sodawasser

Eiswürfel

Den weißen Rohrzucker und den Saft zweier Limetten ins Glas geben. Die frische Minze auf dem Handrücken anklatschen und zum Limettenzucker geben. Mit dem Sodawasser auffüllen und alle Zutaten mit einem Stößel anmuddeln. Mit einer Schaufel Eiswürfel auffüllen, den Rum dazugeben und leicht durchrühren. Mit einem frischen Minzzweig dekorieren.

No click. No cheers.: Spirit of the Moment – Der Mojito.

Spirit of the Moment – der Mojito

 

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