Madam Bar München

No cheers. No christmas. – Der Innamorata in der Madam Bar

Um die Wartezeit bis Weihnachten zu verkürzen stelle ich euch ganz nach dem Motto „Abwarten und Drinks trinken“ jeden Adventssamstag eine Bar, einen Bartender und einen Christmas-Drink vor. Der jeweilige Cocktail kann eine Woche lang in der Bar bestellt werden und an jedem Abend erhalten die ersten fünf meiner Leser mit dem Code „No cheers. No christmas.“ den Drink aufs Haus. 

Und damit man sich auch so richtig auf die Feier(!)tage freuen kann, verlosen wir ganz Weihnachts-engelig am 23.12. eine Box der verwendeten Spirituosen. Einfach ein Foto des jeweiligen Drinks mit #nocheersnochristmas auf Facebook oder Instagram posten und mir hier folgen beziehungsweise hier liken.

 

Madam Bar München

 

Eine bittersüße Verführung – Der Innamorata in der Madam Bar

Fordernd. Ungewöhnlich. Reizend und reizvoll. – Das ist sie gerne die frivole Madam Bar. Und den ein oder anderen Gast, Gaumen oder Genießer herausfordern – das tut auch er gerne, Oliver von Carnap. Und zwar mit seinen oft ironischen, aber jederzeit freundlichen Sprüchen, seinen manchmal schrägen, doch immer authentischen Projekten und seinen meistens süffigen, oftmals ungewöhnlichen und stets gehaltvollen Drinks. Und so ist auch der tiefrot-leuchtende, beinahe ein wenig ins dreckig Rostfarben spielende Innamorata Drink ein bittersüßer Genuss, welchen man sich Tropfen für Tropfen von den Lippen lecken sollte. Ein Sipping-Drink, bei welchem hier, in den dunkelroten Sammetpolstern im Schoße der Madam Bar getrunken, doch ein wenig Vorsicht geboten ist – zu schnell ist die lichte Welt oberhalb der steilen Stufen zur Bar vergessen und die Sinne trüben sich vom gedämpften Licht sowie den schallenden Wellen der Musik und verschwimmen zu einem einzigen, zeit- und selbstvergessenen Moment der süßen Verirrung.

Madam Bar MünchenDoch bevor wir den samtenen Vorhang zur Bar gänzlich vor dem Auge des Betrachters und sehr verehrten Lesers verschließen wollen, um uns dem Spiel der alles zugleich bedeckenden und enthüllenden Nacht hinzugeben, wollen wir doch noch ein wenig Tageslicht in die Bar auf der Ledererstraße fallen lassen und uns mit der klaren Schärfe unseres Geistes die Madam, ihren Besitzer – oder besser– ihr derzeitiges Oberhaupt sowie unseren dieswöchigen, weihnachtlich-sündigen Cocktail genauer betrachten.

Madam Bar MünchenDenn dort, wo heute Oliver von Carnap seine Shaker kreisen ließ, drehten sich noch vor wenigen Monaten leicht bis zero bekleidete Tänzerinnen an Stangen und auf Tischen. Und genau hier, wo jetzt das Barteam seine süffigen Kreationen dem Besucher zur Erfrischung anbietet, dort konnte derselbe oder ein anderer Gast noch vor wenigen Monaten andersartige, aber vermutlich ähnlich berauschende Dienste in Anspruch nehmen. Kurz: Das traditionelle und bereits seit 1974 bestehende Striplokal in einer dunklen und pulsierenden Ecke des Münchner Herzens wurde vom dem so angesehenen wie beliebten Tresen-Profi Oliver von Carnap in seine neue Madam Bar verwandelt. Die „Private Boxes“ wichen einer DJ-Ecke, die schmuddeligen Flaschen hochkarätigem Sprit und die nackten Mädchen mussten sich ganz schnell wenigstens ein Höschen anziehen oder gänzlich Adieu und Bye Bye sagen. Madam Bar MünchenDoch trotz dieser liquiden Metamorphose durfte die niemals alt werdende Madam einiges ihres vorherigen Interieurs behalten: Die Stripstange auf dem Podium zum Beispiel, das rote Samt, das Gemälde neben der Bar, welches die Madam selbst in sich rekelnder Pose und in Öl verewigt zeigt. Und auch die sinnlich-verruchte und alltagsvergessene Stimmung blieb in den Räumlichkeiten haften, hier, im Kellergeschoss, unterhalb der rot beleuchteten Treppe. Denn, wer einmal die unscheinbare Tür am dunklen Ende der Ledererstraße durchschreitet und in die Madam hinabsteigt, der wird merken, dass er sich in keiner normalen Bar befindet. Vielmehr findet sich der Besucher an einem Ort wieder, welcher sich verspielt und mit einem ironischen Lächeln auf den Lippen bittersüßen Träumereien widmet. Ein Ort, welcher die an der Oberfläche geltende Zeit in sich aufsaugt wie ein niemals satt werdender Schwamm.

Madam Bar MünchenDer ein oder andere mag erst einmal erschrecken, hier unten, und sich die Augen reiben. Gereizt von dem vielen Rot. Angeregt von der Funk und Old Shool-Musik aus den Boxen. Man ist etwas überfordert. Kann diesen Ort nicht einordnen. Und auch den Mann hinterm Tresen nicht, der da gemeinsam mit seinem Team so lässig wie sorgfältig die Drinks mixt, rührt und dabei über den Tresen flachst und lacht. Und diese leichte Irritation ist durchaus auch berechtigt, wenn nichts sogar gewollt, denn für Olli ist die Madam eine Spielwiese ohne Einschränkungen, Konzessionen oder Kausalitäten. Ein Lokal, um lässig zu verblüffen und verblüffend lässig zu sein. Ein Ort, der auch seinem Ideal Drinks zu kreieren Raum lässt.
Madam Bar MünchenSo stehen auf der Madam-Barkarte zum einen Klassiker, starke Sipping-Drinks wie ein Old Fashioned oder ein Boulevardier und zum anderen süffigere Drinks, welche auch ungeübten Trinkern geschmeidig die Kehle hinunter tänzeln – jedoch nicht ohne den ein oder anderen unvorhergesehenen Hüftschwung zu machen. Denn diese liquiden Kreationen sind nicht ganz rund, sondern sie lassen mit aufmüpfigen Aromen und frivolen Geschmäckern den zungenspielenden Genießer aufhorchen, anstatt denselben zu einem zügellosen Hinabstürzen zu animieren. Drinks mit Kanten. Cocktails, die eben nicht fein, sauber und harmonisch, sondern fordernd, ungewöhnlich und reizend sind. Eben so wie die Madam – und das ist Ollis Ding.

Madam Bar MünchenUnd so erinnert auch der Innamorata – passend zum Fest der Liebe und passend zur Madam selbst in sündige Röte getaucht –, an die Vereinigung zweier Liebender. Der Innamorata, zu Deutsch die Verliebten, ist sanft und stark zugleich, er verführt und fordert, bezirzt und verwirrt, lockt und verlangt. Und schon der Name des Cocktails geht laut ausgesprochen erst weich über die Lippen, rollt dann tief und schwer in der Kehle und bleibt schließlich offen und fragend in der Luft hängen. Man will einen zweiten Schluck, nach dem Ersten und einen dritten Schluck nach einem Zweiten. Man will nicht aufhören. Madam Bar MünchenAber man will auch nicht zu viel, aus Angst sich zu verlieren und aus Furcht, der Geschmack könne die Sinne zur Gänze einnehmen und man könne die eigenen Grenzen vergessend alles auf einmal in sich aufsaugen. Die vier Spirituosen vermählen sich dabei ohne die reizende Spannung des Anfangs zu verlieren und – einem abgeklärten Pärchen gleich – in schöner, aber eintöniger Harmonie die Kehle herabzufließen. Vielmehr kämpfen sie mit spielerischem Ernst um die dominante Rolle auf der Zunge und im Bewusstsein. Da ist zum Einen der körperreiche und volle Jahrgangs-Vintage Portwein, welcher Süße, Frucht und Üppigkeit ins Spiel bringt.Dann blitzt in der Nase und am Gaumen eine frische Zitrusnote glockenhell und verheißungsvoll auf – es ist der Mandarinenlikör Mandarin Napoleon aus Frankreich mit seinen beinahe parfümartigen Aromen und einer mädchenhaften Leichtigkeit.Madam Bar München Tiefe, Stärke und Vergessenheit bringt der malzige, männlich-herbe Doppelbockliqueur Heiland. Eine bernsteinfarbene Mixtur aus einem kräftigen Starkbier, Karamell, Rum und Gewürzen, welche erst Erstaunen, dann Verwunderung hervorruft und dem Drink jene reizende und reizvolle Note verleiht, welcher diesem hochprozentigen Liebesspiel gerecht wird. Für eine harte Kante, Rauchigkeit und Erdung sorgt der Smokecraft Vodka. Ein ebenso ungewöhnliches Produkt wie der Heiland, da es sich hier um einen Vodka handelt, welcher in zuvor über Edelholz ausgeräucherten Flaschen gelagert wurde und so den Duft der Wälder und den Rauch der vergehenden Natur in sich aufnahm.

Einen Schluck möchte man noch nehmen von diesem Spiel der Verliebten, dem Innamorata, um die Bitterkeit wieder auszugleichen, um die Süße erneut zu schmecken, um den Reiz des Neuen nochmals zu kosten und, um das feine Aroma südlicher Früchte erneut in der Nase schnuppern zu können. Madam Bar MünchenEgal, ob man nun an einem Wochentag bei Olli selbst oder einem seiner so fähigen wie charaktervollen Teammitglieder am Tresen sitzt oder am Wochenende in den samtenen Kissen ruht – die Madam ist keine dieser Bars, welche vom Alltäglichen und dem angenehm Vorhersehbaren lebt. Livemusik, manchmal am Dienstag oder auch mal mittwochs, Disco oder Old School-HipHop am Wochenende, totale Leere oder überberstende Fülle, bekannte Gesichter oder nichtssagenden Fremde –, wenn der rotsamtene Vorhang sich schließt und die Geräusche der nächtlich befahrenen Straßen verhallen, dann hat SIE die Zügel in der Hand, die Madam, mit ihrem frivolen Lächeln und ihrem kecken Blick.
Madam Bar MünchenIn ihrem samtenen Schoße wird der Abend, einem animierenen Fingerschnipsen gleich wieder zum Morgen, aus einem dezenten Schluck wird ein niemals versiegender Strom und die Zeit verrinnt zwischen den Fingern und wird von den Polstern der roten Kissen aufgesogen bis nichts mehr übrig bleibt, als ein jäher Gedanke und eine skizzierte Erinnerung an einen bittersüß-schmeckenden Moment der Lust, des Spiels und der Verlockung. Eine verschwommene Idee, welche sich im Geiste festsetzt wie das schöne, kleine Stück eines Puzzlespiels, von dem man gar nicht wusste, das es noch gefehlt hat.

 Madam Bar

Der Innamorata von Oliver von Carnap:

35 ml Smokecraft Vodka

10 ml Heiland Doppelbockliqueur

10 ml Mandarin Napoleon

40 ml Vintage Port

Garnitur: Orangenzeste

No click. No cheers.: facebook.com/Madambar

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