Mario Kappes, Nikka Whisky und The Dalmore

Mario Kappes – Emphatische Regieanweisungen und die Perfektion der Beiläufigkeit

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„Ich bestelle im Schumann’s immer einen Bitter auf Eis und einen Espresso. Das ist für mich die Inkarnation eines entspannten Abends und mein kleiner München-italienischer-Moment, den ich mir überall auf der Welt kreieren kann.“ – Mario Kappes rührt lächelnd in seinem weißen Espressotässchen und klimpert ein wenig mit den Eiswürfeln in seinem Glas. Es ist ein lauer Montagabend im Hofgarten des Münchner Schumann’s. Die Vögel zwitschern, der Champagner prickelt, die Boule Spieler kugeln und die weiß bejackten Kellner verteilen gleichzeitig freundliche Worte, kühlen Wein und knusprige Bratkartoffeln an Stammgäste und mehr oder minder bekannte Münchner. „Im Schumann’s ist jeder Mitarbeiter ein Unikum und ein echter Gastgeber, egal ob Service- oder Barpersonal. Charles Schumann hat durch seine Art der Personalführung die Servicequalität in der Bar- und Gastronomieszene entscheidend gesteigert.“ 

Nouri Elmoussaoui aus dem SchumannsMario weiß, wovon er spricht und zwar nicht nur, weil das Schumanns’s die erste Destination ist, welche der Wahl-Hamburger bei einem München-Besuch aufsucht. Der bescheiden an seinem Espresso nippende Barmann und Markenbotschafter von Nikka Whisky sowie The Dalmore ist nämlich selbst ein absoluter Vollblut- und Vorbild-Gastgeber, der in seinen einundzwanzig Jahren am Brett mit Chefs, Gästen und Kollegen so Einiges erlebte, Vieles lernte und nicht zuletzt Awards in New Orleans und Berlin für seine Mixologen- und Gastgeber-Qualitäten ausgezeichnet wurde. „Es geht in einer Bar immer um die Kultur des Gastgebens. Ich wusste bei meiner Arbeit im Le Lion sofort, ob ein Mitarbeiter des Schumann’s unter den Gästen war. Die Jungs von Charles waren stets auffallend höfliche, gute Gäste.“ Und dies ist es auch, was Mario als den ersten Schritt zu einem guten Gastgeber(da)sein bezeichnet: „Werde selbst ein guter Gast! Du kannst ein gastronomisches Erlebnis für jemand anderen nur dann kreieren, wenn du es selbst erlebt hast und verstehst, worauf es ankommt.“ Doch wie wird man ein guter Gast? Eine grundlegende Voraussetzung hierfür sei, so Mario, dass man die Gepflogenheiten eines Hauses beziehungsweise einer Bar annehme und respektiere. „Wenn ich in einer gesetzten Cocktail Bar ausgelassen und laut feiern will, bin ich falsch und sollte lieber die Location wechseln.“ 

„Es geht in einer Bar immer um die Kultur des Gastgebens.“ 

Mario Kappes, Nikka Whisky und The DalmoreAußer dieses regelmäßigen, physischen und intellektuellen Wechsels der Tresenseite sei es für einen guten Gastgeber zudem wichtig, stets offen und vorurteilslos zu bleiben. „Es ist nicht an mir zu bewerten, was der Gast bestellt – und wenn es ein Aperol Spritz ist. Auch anfangs schwierige Gäste können zu tollen werden. Man sollte nur niemals das Interesse am Menschen verlieren.“ Solche Sätze sind bei Mario keine dahingesagten Sprüchlein oder gar leere Wort. Wer sich mit dem sympathischen Gastronomen unterhält, merkt schnell, dass er authentisch ist, zuhört und auf sein Gegenüber eingeht. Mario hat gelernt – innerhalb der Bar und auch vor ihren Türen – wie entscheidend es ist keine Vorurteile gegenüber Menschen zu haben und stets herzlich auf sein Gegenüber zuzugehen. Mario ist präsent, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen und er ist ambitioniert ohne sich aufzuspielen. „Ein Bartender sollte sich niemals als Artist oder Schauspieler auf einer Bühne sehen, denn das ist er schlichtweg nicht. Er ist der Regisseur! Ein guter Gastgeber versucht immer den Gast in seiner Rolle zu unterstützen und diesen ins rechte Licht zu rücken.“ Durch diesen Habitus des Bartenders und eine solche, im wahrsten Sinne des Wortes, filmreife Dramaturgie werde der Abend, so Mario, auf eine beiläufige und entspannte Art perfekt. „Das Erzeugen dieser beiläufigen Perfektion habe ich bei Jörg gelernt.“ 

Mario Kappes, Nikka Whisky und The DalmoreIn der Bar von Jörg Meyer, dem legendären Le Lion in Hamburg, war Mario mehr als nur Barchef oder Gastgeber. Für achteinhalb Jahre gestaltete er das Tresengeschehen signifikant mit und beeinflusste durch seinen Einsatz die Stimmung, die Qualität und nicht zuletzt so manchen Mitarbeiter auf das nachhaltigste. Mario war die Seele und quasi die ausführende Pranke des Löwen, während Jörg Meyer die strahlende Raubkatze auf freie Wildbahn war. „Jörg hat viel für die Außenwirkung des Le Lion getan und das Konzept bestimmt. Ich setzte seine Ideen dann am Brett in die Tat um.“ Hier, am Tresen und zu Füßen der goldenen Löwenstatue erlebte Mario noch eine weitere, wichtige Lektion in Sachen Gastgeberqualitäten, nämlich die Wichtigkeit von Selbstverantwortung und Respekt. „Eine Bar ist ein erwachsener Ort, an dem Alkohol ausgeschenkt wird. Man sollte daher vom Barpersonal ebenso wie von den Gästen selbst ein erwachsenes Verhalten voraussetzen können, ohne Regeln aufstellen zu müssen. Wenn ein Gast bei uns einmal sichtlich zu viel getrunken hatte, reichte Jörg ihm kommentarlos eine Karaffe Wasser nebst einer Platte Canapés, anstatt ihn durch ein Bestell-Verbot bloß zu stellen. Jörg vermochte es immer respektvoll und verantwortungsbewusst mit Gästen umzugehen und sie wie erwachsene Menschen zu behandeln. Denn seien wir einmal ehrlich: Wenn ich um zwei Uhr morgens in einer Bar nicht betrunken sein darf, wo bitte schön dann?!“ 

„Eine Bar ist ein erwachsener Ort.“

Nouri Elmoussaoui aus dem SchumannsAufgrund dieser erwachsenen Umgangsformen vor und hinter dem Brett liebt Mario die Münchner Barszene, allen voran das Schumanns auch so heiß und innig. „In den guten Bars in München arbeiten erwachsene Menschen. Und damit meine ich nicht ihr Alter, sondern ihre Art. In so manch anderer Stadt findet man das eher selten.“ Mario betrachtet den übertriebenen Hype um so manchen jungen Bar-Star, als zutiefst bedenklich, denn dies führe schließlich dazu, dass sich unerfahrene Barmänner einbildeten etwas besseres zu sein und die eigentliche Bedeutung des Jobs, nämlich das Gastgeben völlig vergäßen. „Ein Sieg in einem Cocktailwettbewerb macht einen noch lange nicht zu einem guten Barmann. Und auch nicht, dass man auf Messen mit Sonnenbrille rumläuft, um Shots und Autogramme zu verteilen.“ Dass diese Rockstar-Attitude Mario ärgert und ihn sogar etwas traurig macht, kann man ihm nicht verwehren, denn schließlich shakte, pourte und servierte er selbst über einundzwanzig Jahre lang immer genauso enthusiastisch wie lernbereit und blieb bescheiden und respektvoll, obgleich er allen Grund für eine leicht angehobene Nase oder zumindest einen nach oben gereckten Zeigefinger gehabt hätte.

Denn Mario, der – wie er sagt – eher „unfallmäßig“ an die Bar kam, durchlief so manche lehrreiche Station und schweißtreibende Schicht, bevor er schließlich zu DEM Mario in DEM Le Lion wurde. Und auch bevor er schließlich zu seinem heutigen Job als Brand Ambassador durch die Lande und die Bars von Welt ziehen sollte. Angefangen mit Mario, den Gästen und dem Brett hatte alles nach seiner Ausbildung zum Krankenpfleger. Damals brachte ihm seine Tätigkeit als „extrem erfolgloser Band-Gitarrist“ weder den Fame noch das Geld ein, sodass er gezwungenermaßen außer der Bandbühne auch das Brett bespielen musste. „Ich habe damals in einem Bistro, das eigentlich keine Drinks ausschenkte, selbsterfundene, verbotene Cocktailkreationen gemacht – mit lustigen Streuseln, viel Sahne und Schirmchen. Das schmeckte alles fürchterlich!“ Diese eher desaströsen als delikaten Kreationen einmal außer Acht gelassen, gelang es Mario schon damals auf seine Gäste einzugehen und als herzlicher Gastgeber aufzutreten. Als er schließlich von Gästen und Freunden immer mehr positives Feedback bezüglich seines gastronomischen Nebenjob erhielt, beschloss er die Gitarre gegen den Shaker zu tauschen und seine eher spielerischen Brettversuche zu professionalisieren.

Brasilianische Bretter und respektables Shaken

Mario Kappes, Nikka Whisky und The Dalmore„Meine ersten richtigen Berührungspunkt mit dem Bartenden hatte ich in einer Brasilianischen Bar, im Panthera Rodizio in Bremen, wo ich zunächst als Aushilfe im Service anfing.“ Doch dabei blieb es nicht lange, denn Mario sollte schon bald beweisen, dass er ein Händchen für Drinks und Gäste hatte. Nur wenige Wochen nach seinem Arbeitsbeginn hielt ihm seine Chefin nämlich die saft- und sahnelastige Cocktailkarte vor die Nase und erklärte, diese müsse er bis morgen auswendig können. Sie sei nicht da und er müsse deshalb anstelle ihrer die Drinks machen. Trotz dieser ersten, schweißtreibenden Schicht, in welcher Marios zittrige Hände vermutlich wie von selbst die Cocktails shakten, bewies er Talent und schmiss den Laden von nun an immer öfter alleine, um schließlich 1995 als Vollzeitkraft im Rodizio anzufangen. „Ich hatte jede Menge Spaß, aber ich konnte mich weder koordinieren noch organisieren und ging am Ende meiner Schicht immer im Chaos und ungespülten Gläsern unter.“ Doch Mario lernte schnell – nicht zuletzt aufgrund der Unterstützung von Seiten seiner Arbeitgeber. „Ich habe damals von meinem Chef erfahren, was es bedeutet mehr Leader als Boss zu sein.“

Schon zu Beginn seiner gastronomischen Laufbahn wurde Mario mit Respekt behandelt und durfte auf Augenhöhe mit Chefs arbeiten zu können. Er wurde geleitet ohne gedemütigt zu werden und durfte eigenverantwortlich arbeiten ohne sich alleingelassen zu fühlen. Eine Erfahrung, die schnell zu seiner Maxime wurde und ihn auf seinem weiteren Weg und in zukünftigen Führungspositionen begleiten sollte. Diese so positive wie prägende Erfahrung sollte allerdings auch dazu führen, dass er eben nicht alles mit sich machen lassen wollte und ließ. Nach zweieinhalb Jahren in der Brasil Bar nahm Mario nämlich als „guten nächsten Schritt“ eine ihm angebotene Stelle in der eleganten Bar des Maritim Hotels an. Hier herrschte ein eher konservativer, sprich strenger Ton, welcher sich nur schwer mit Marios bisherigen, herzlichen Tresenerfahrungen und seiner Freigeistigkeit vereinbaren ließ. „Ich war jung und wild. Es gab im Maritim zu viele Regeln, die keinen Sinn machten! Ich durfte noch nicht mal meine Freundin mit einem Kuss begrüßen.“ Mario entschied sich für den Kuss und gegen die Regeln und verließ für seine damalige Freundin und heutige Ehefrau die Hotelbar sowie seine Heimatstadt Bremen.

Mario Kappes, Nikka Whisky und The DalmoreAufgrund eines Jobangebots seiner Freundin kam Mario nach Hamburg – glücklicherweise, kann man heute rückblickend sagen, denn hier, in der Handelsstadt an der Elbe, sollte Mario schließlich zu brettsicherer Höchstform auflaufen und sämtliche Löwen sowie Gäste zum Schnurren bringen. Bevor es jedoch ins Le Lion ging sammelte Mario weitreichende Erfahrungen in unterschiedlichen Positionen und Destinationen. So arbeitete er unter anderem als Ausbilder in der Dortmunder Bar Academy, shakte für zwei Saisons in einer Surferkneipe in St. Peter Ording – „lustig, aber anstrengend“ – und stand für insgesamt fünfeinhalb Jahre im Hamburger Sofitel am Brett, wobei er die Hotelbar für ganze vier Jahre als Barchef mit seinen Gastgeber- und Leader-Qualitäten bereicherte. Nachdem er schließlich die Gastronomieleitung des Hamburger Businessclub übernommen hatte – eine Stelle, die ihn eher zum Gähnen brachte – hörte er aus der Ferne Löwengebrüll. Oder besser gesagt: Der erfolgreiche Barmann bekam Wind von Jörg Meyers Plan, das Le Lion zu eröffnen. Nachdem Mario im Café de Paris seine Telefonnummer hinterlassen und Jörg diese alsbald gewählt hatte, kam es zu einem ersten Gespräch zwischen den zukünftigen Arbeitspartnern und Freunden. „Jörg hatte die Stelle des Barchefs bereits an Gonzalo de Sousa vergeben und auch schon Marcel Baumann eingestellt und bot mir lediglich die Stelle als „dritter Mann“ an. Dies kam mir im ersten Moment wie ein Rückschritt vor. Schließlich hatte ich in den Jahren davor stets in Führungspositionen gearbeitet.“

Ausgezeichnetes Löwenknurren und klassische Highlights

Franzi Schulz aus der Bar GabanyiDoch Mario schluckte, nahm sich ein Herz und dann den Shaker – eine Entscheidung, die er wohl niemals bereute und welche ihm zu völlig neuen Brettspielarten und hochprozentigen Horizonterweiterungen verhelfen sollte. Denn damals, im Jahr 2007, war die Barszene weniger am Blühen, sondern eher in einem unausgewachsenen und manchmal mehr pickeligen als prickelndem Teenageralter – sprich, es gab mehr Saft als Kraft und mehr Touchdowns als Home Runs. Dies sollte und wollte der Löwe ändern und auch Mario merkte noch vor Eröffnung der visionären Bar, dass da so Einiges auf ihn zukommen würde. So fand sich der zukünftige „dritte Mann“ also eines abends im Le Bon Lion, einer damals zweimal geöffneten Bar oberhalb des Café de Paris, ein, um Gonzalo de Sousa vorab besser kennenzulernen und sich von ihm ein paar Drinks mixen zu lassen. „Da standen Flaschen auf dem Tresen, die ich noch nie gesehen hatte. Gonzalo de Sousa machte mir einen Royal Sloe Gin Fizz. Und auch hier fühlte ich mich wie ein Anfänger, denn ich kannte weder Cocktails mit einem ganzen Ei noch wusste ich was Sloe Gin war. Vor dem Le Lion hatte ich mein Geld mit reichlich Maracujasaft verdient und es als Highlight des Abends gefeiert, wenn ein Gast einmal ausnahmsweise nach einem Manhattan gefragt hatte.“

Mario Kappes, Nikka Whisky und The DalmoreSolch klassische Höhepunkte sollten von nun an zu Marios allnächtlicher Routine gehören – allerdings nicht wie zunächst angenommen als dritter, sondern vielmehr als erster und einziger Mann, denn nur wenige Monat nach Eröffnung der Bar verließen Marcel und Gonzalo den Löwen. Da dieser damals noch nicht zu seiner vollen Größe gewachsen, sondern eher ein leise knurrender Babylöwe war, musste es schlicht und einfach genügen, dass eine Person alleine den ganzen Laden schmiss. So oblag es also oftmals Mario, die Gäste der Klingelbar herein zu lassen, sie zu beraten und mit Drinks und Barfood zu versorgen, kurzum: Er war der Hauptverantwortliche des Abends und lief als Gastgeber und liquider Regisseur zur Höchstform auf. Dieses gastgeberische Talent Marios und natürlich Jörg Meyers Fähigkeit, schon beinahe prophetisch die Bedürfnisse des Marktes und der Trinkerschaft vorauszusehen – oder diese so subtil wie plakativ zu lenken – sprach sich schon bald herum. Und zwar bis nach New Orleans, denn 2008, nur ein Jahr nach seiner Eröffnung, wurde das Le Lion beim legendären Tales of the Cocktail-Festival als weltweit beste Neueröffnung gekürt. Als Jörg Meyer dann auch noch im selben Jahr den Gin Basil Smash erfand und damit dem liquiden Zeitgeist einen flotten Hopser voraus war, stand dem Löwen der Break Even Point in Form von Warteschlangen und Klingelterror bevor. „Durch den Gin Basil Smash haben wir Leute, die sonst nur Sachen wie Sex on the Beach tranken, dazu gekriegt, einen Gin Sour zu bestellen, denn der Basil Smash schlägt die Brücke zwischen Easy Drinking und klassischen Cocktails.“

Der Löwe, der Meyer und ehrenhafte Platzverweise

Mario blieb ganze achteinhalb Jahre im Le Lion. Eine Zeit, in welcher er die Bar entschieden mit prägte und persönlich sowie beruflich viel Neues lernte – nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit Jörg Meyer. „Ich hatte in der Bar alle Freiheiten und Jörg hat mich immer respektvoll und erwachsen behandelt. Wenn es mal Kritikpunkte gab, dann haben wir das bei einem guten Glas Wein geklärt.“ Auch im Löwen bestätigte sich für Mario das, was er heute als so wichtig für die Arbeit am Brett ansieht: Die Führung einer Bar ist entscheidend und ein respektvoller Umgang miteinander essentiell. Dies erlebte der sympathische Barmann nicht nur bei der gemeinsamen Arbeit mit Jörg Meyer, sondern er fungierte auch selbst als Mentor für so manchen Babylöwen. So erwuchsen nicht zuletzt unter den helfenden Händen Marios einige Barmänner und -frauen, welche heute angesehenen Größen innerhalb der Barszene sind. Einen nicht nur ideellen und monetären, sondern auch öffentlich sichtbaren Lohn für sein so vollblutiges wie löwenherziges Gastgeber- und Mentorentum erhielt Mario dann schließlich auch noch von Seiten der liquiden Presse als er bei den Mixology Awards 2015 gleich doppelt, nämlich zum Gastgeber und Mixologen des Jahres, gekürt wurde. Spätestens als dann 2016 auch New Orleans Mario unter die besten zehn Bartender weltweit wählte, flippte Marios kleine Tochter aus – „sie zeigt noch immer jedem unserer Besucher ganz stolz meine Pokale“ – und die Öffentlichkeit, eingeschlossen der Spirituosen-Industrie, tat es ihr nach. „Vorher hatte ich eher wenig Kontakt zur Industrie. Denn ich war nicht der coole Bartender mit Tattoos, der gerne im Rampenlicht steht.“

Mario Kappes, Nikka Whisky und The DalmoreDoch nun flatterte ein Angebot des BORCO-MARKEN-IMPORT bei Mario ins Haus – zu einem Zeitpunkt, an welchem sich der Barmann bereits fragte, wo die Reise für ihn hingehe. „Das Le Lion ist für mich das Ende der Fahnenstange in Bezug auf gastronomische Erfahrungen. Ich wollte allerdings auch keine eigene Bar aufmachen, denn ein guter Gastgeber ist nicht unbedingt ein guter Unternehmer.“ Als dann Marios Tochter in die Schule kam und die gemeinsame Zeit sich aufgrund Papas komischer Arbeitszeiten lediglich auf Sonntagnachmittag beschränkte, sagte Mario der Nachtarbeit im Löwen Adieu – mit einem lachenden und einem weinenden Auge sowie einiger anderer flüssiger Bekenntnisse der Trauer. Einerseits freute sich Mario auf die neuen Herausforderungen und Aufgaben, welche ihn bei BORCO erwarteten, andererseits musste das für ihn prägende Kapitel „Le Lion“ natürlich auch feierlich abgeschlossen und adäquat begossen werden. „Nachdem ich Jörg gesagt hatte, dass ich bei BORCO anfange, sind wir Essen gegangen und haben uns fürchterlich betrunken. Ich weiß gar nicht mehr mit was allem, aber am Ende sind wir irgendwann bei einem fiesen Karamell-Vodka gelandet.“ Als Mario dann schließlich am 12. März 2016 seine letzte Schicht im Le Lion hatte, standen die Gäste schon anderthalb Stunden vor Baröffnung Schlange. Trotz dieser Ehrung von Seiten der Gäste wurde der Vollblut Gastgeber dann doch ganz „unehrenhaft“ des Platzes, beziehungsweise seines Mixpostens verwiesen – und zwar von Seiten Jörg Meyers. „Um 22 Uhr kam Jörg zu mir und feuerte mich. Mit einer Doppelmagnum!“

Neue Wege und weltläufige Whiskys

Mario Kappes, Nikka Whisky und The DalmoreEine neue Ära stand Mario bevor, in der er „mit alten Routinen brechen“ und sich auf neuen, hochprozentigen Fahrwassern bewegen sollte. Denn Mario begann als Brand Ambassador für den schottischen Whisky The Dalmore sowie für den japanischen Whisky Nikka zu arbeiten. „Ich wollte anfangs eigentlich nicht BA werden. Ich hatte keine Lust dazu, mich selbst in den Vordergrund zu stellen. Aber The Dalmore und Nikka sind zwei Produkte, die zu mir passen und bei denen ich mich nicht verbiegen muss. The Dalmore ist eine sehr erwachsene und luxuriöse Marke. Nikka ist ein bisschen unkonventioneller, aber nicht zu wild.“ So verschieden die beiden Marken auch sind und aus so unterschiedlichen Kulturen sie kommen, haben sie eines gemeinsam: Sie bestechen durch ihre Hochwertigkeit und vereinen im Glase auf die geschmackvollste Art und Weise Handwerkskunst und Raffinesse – ohne durch eine übertriebene Flaschenpräsenz zu nerven oder durch eine aufgesetzte Rockstar-Attitude die Tresenherrschaft an sich zu reißen. Kein Wunder also, dass sich der sympathische und auf Authentizität Wert legende Mario als Markenbotschafter der beiden traditionsreichen Whisky-Häuser, welche in Deutschland und Österreich exklusiv von BORCO vertreiben werden, am richtigen Posten sieht.

Mario Kappes, Nikka Whisky und The Dalmore„The Dalmore ist einfach eine beeindruckende Marke – angefangen bei der ungewöhnlichen Destillation in verschieden großen Copper Pot-Stills, über die sorgfältige Auswahl der Fässer bis hin zur herausragenden Arbeit des Master Blenders Richard Patterson, der nur mit Recht The Nose genannt wird. Besonders der Single Malt King Alexander, welcher als weltweit einziger Whisky in sechs unterschiedlichen Fässern gefinished wird, beweist das begnadete Talent von Patterson und die Qualität von The Dalmore.“ Der Auslöser für dieses aufwendige Produkt, war eine ganz besondere Mission und Vision des Master Blenders. So bekam Patterson die Aufgabe einen Whisky zu kreieren, welcher eng mit den Besitzern der Distillery, dem Clan der Mackenzies verknüpft ist. Die Mackenzies, welche im Jahre 1870 die von Alexander Mathesen gegründet Destillerie in Allness an der Ostseite der Schottischen Highlands übernahmen, können nämlich auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurückblicken, welche im Jahre 1236 ihren Anfang nahm. Damals wurde Colin of Kintail aus dem Clan der Mackenzie nämlich von King Alexander III zu einer Jagdpartie eingeladen und da zu dieser Zeit die Natur noch wild und prominente Adlige nicht ständig von Bodyguards umringt waren, kam es dazu, dass ein Hirsch den König angriff. Beherzt und tapfer zog Colin sein Schwert und erlegte den stolzen Zwölfender mit wenigen Stichen – eine glorreiche Tat, welche ihm und seiner Familie den als königlich geltenden Hirsch als Wappentier einbrachte und auf diese Weise dem heutigen The Dalmore zu seinem schimmernden Emblem verhalf.

Mario Kappes und The Dalmore
Credit: The Dalmore

Wenn Colin gewusst hätte, dass Richard Patterson in Erinnerung an diesen Tag und seinen Mut einen eigenen Whisky, den King Alexander kreieren sollte, hätte sich der junge Adlige vermutlich mindestens ebenso gefreut wie über das königliche „Viecherl“ für sein Wappen. Und das zu Recht, denn der in sechs Fässern ausgebaute Single Malt beeindruckt durch seine vielschichtige und trotzdem harmonische Aromatik. So verleihen ihm Oloroso Methusalem Fässer, in denen über dreißig Jahre lang edler Sherry reifte, sowie Madeira Fässer feine Noten von Zitrus, kandierter Orange und unreifen Walnüssen, während Bourbon Fässer aus Kentucky warme Vanille- und Karamelltöne einfließen lassen, die fast ein wenig an Ahornsirup erinnern. Die Lagerung in Port- und Marsala Fässern erzeugt  einen Hauch von Waldbeeren und Pflaumen, wobei Aromen von dunkler Schokolade und Tabak durch die alten Cabernet Sauvignon Fässer dem „King“ ein so elegantes wie prägnantes Finish geben und ihn zu einem lang nachhallenden, eindrucksvollen Geschmackserlebnis machen.

Mario Kappes, Nikka Whisky und The DalmoreWeniger kräftig und maskulin aber mindestens ebenso einprägsam und intensiv ist der feingliedrig-elegante Coffey Malt Whisky aus dem Hause Nikka, welches 1934 vom Vater des japanischen Whiskys, Masataka Taketsuru, gegründet wurde. Nachdem der junge Taketsuru die Brennkunst während seines Studiums in Schottland erlernt hatte, erbaute er im Norden Japans zwei Destillerien, in welchen noch heute in traditioneller Methode die zwölf unterschiedlichen Sorten des Nikka Whiskys hergestellt werden. Der Coffey Malt wird in der „Miyagikyo“ Destillerie auf Honshū, am Fuße des Hochgebirges in einer klassischen Coffey Still gebrannt – ein Standort, welcher aufgrund seiner hohen Luftfeuchtigkeit und seiner besonders reinen Luft ideal für weiche, komplexe Single Malt mit fruchtigen Noten ist. So weist der golden im Glase schimmernde Whisky elegante Noten nach Salzkaramell und Nüssen auf, wobei ein exotisches Bananen-Aroma für einen aparten Akzent in der Nase und am Gaumen sorgt.

Asiatische Bretter und ausbalancierte Dramaturgien 

Mario Kappes und Nikka Whisky
Credit: Nikka Whisky

Außer des Zugangs zu „tollen Bars auf der ganzen Welt“ verhilft sein neuer Job Mario auch zu Reisen an die Quellen der Whisky-Ströme. So beeindruckte den frisch gebackenen BA vor allem ein Trip nach Japan im vergangenen Frühling, bei welchem er nicht nur ein tiefes Verständnis für die Philosophie von Nikka bekam, sondern auch erlebte wie „traditionsbewusst ohne übertriebenen Nationalstolz“ die Japaner gegenüber Fremden im Alltag reagierten. Eine Tugend, welche Mario zwar auf der Straße, jedoch nicht immer auch am Tresen beobachten konnte. „Ich bekam in einigen Bars das Gefühl vermittelt mich falsch zu verhalten, ohne dass mir gesagt wurde, was ich getan hatte. Mich stören keine fremden Regeln, aber ich will sie erklärt bekommen und die Möglichkeit erhalten sie zu verstehen. Das gehört für mich zu beidseitigem Respekt dazu.“ 

Mario Kappes, Nikka Whisky und The DalmoreMario ist kein Rebell oder jemand, der Regeln über den Haufen rennen will. Er ist kein Selbstdarsteller oder Wortführer. Er behandelt sein Gegenüber respektvoll und scheut keine Mühe, sich mit viel Gespür in seine Gäste und Mitmenschen hineinzuversetzen. Egal, ob damals am Tresen oder jetzt in Master Classes; ob früher mit dem Barlöffel in der Hand oder heute mit einem Laserpointer – Mario vermag es eine Balance zu finden zwischen Präsenz und Zurückhaltung, warmherzigem Geben und respektvoller Abgrenzung, selbstverantwortlichem Handeln und emphatischem Zusammenspiel. Mario ist niemals Artist oder Schauspieler – er ist der Regisseur seiner Gäste, seiner Kollegen und nicht zuletzt seiner neuen Protagonisten, Nikka Whisky und The Dalmore. Er vermag es diese Whiskys mit Umsicht, Reflexion und viel Herzblut ins rechte Licht zu setzen, sodass seine Leidenschaft für die Produkte niemals aufgesetzt wirkt, sondern man selbst – Marios Begeisterung in sich aufnehmend – die Qualität der edlen Tropfen wahrnehmen und achten kann. Mario ist ein guter Regisseur der Nacht und des Tages; er ist ein großartiger Gastgeber und Mixologe, aber vor allem ist er ein Mensch, der seine Umwelt bereichern will und dies auch tut. Ein Mensch, der sicherlich auch in Zukunft für so manches Highlight und die perfekte Dramaturgie am Tresen und im Leben sorgen wird.

 

Mario Kappes, Nikka Whisky und The Dalmore

 

*No money. No cheers.: Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit dem BORCO-MARKEN-IMPORT sowie The Dalmore und Nikka Whisky. The Dalmore und Nikka Whisky werden explizit im Artikel erwähnt und verlinkt. Auf den Inhalt des Artikels wurde keinerlei Einfluss genommen.

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