Jurtschitsch, Attersee und der GrüVe

Zwei Herzen und ein Wein – Jurtschitsch, Attersee und der GrüVe

„Was soll eine Ratte bei mir auf dem Tisch?“  – Das dachte sich wohl so mancher Weinliebhaber und Stammkunde des österreichischen Traditionsweinguts Jurtschitsch als im Jahre 1987 ein völlig wildgewordenes Mauserl das Etikett des grünen Veltliners „GrüVe“ zierte. Als erster Wein Österreichs mit Künstleretikett stieß die Flasche aus den visionären Köpfen und talentierten Händen des Winzers Jurtschitsch und Künstlers Attersee zunächst auf Ablehnung. Doch der besonders frische und „a bisserl“ freche grüne Veltliner setzte sich auf süffigste Art und Weise durch und feiert dieses Jahr bereits seinen 30. Geburtstag. Und so ist der diesjährige, immer jung gebliebene GrüVe mit dem Namen „Winzerglück“ nicht nur ein erfrischendes Beispiel für ein Stück Weingeschichte und ein Generationen übergreifendes Projekt, sondern auch ein greif- und trinkbarer Beweis für die geschmackvolle Verschmelzung von Kunst und Alltag, Wein und Kultur sowie Tradition und Zukunftsstreben.

Jurtschitsch, Attersee und der GrüVe„Bist deppert? Was werden unsere Kunden sagen?!“ – Als der renommierte, bildende Künstler Professor Christian Ludwig Attersee seinem Freund Karl Jurtschitsch vor dreißig Jahren den ersten Entwurf zu einem damals völlig neuartigen Flaschenetikett für Karls GrüVe zeigte, fiel der erst einmal aus allen Wolken – beziehungsweise er wurde von strahlendem Türkis und einer im Farbenwust deutlich erkennbaren Ratte ge- und überreizt. Doch nach dem anfänglichen Schock erkannte der Winzer das Potential dieses, zwar etwas „rattigen“, aber doch sehr anschaulichen Etiketts, welches in der damals konservativen Weinwelt herausstach und für ordentlich Aufsehen sorgte. Aufgrund ihres säurebetonten, mineralischen Inhalts sowie des rattenscharfen Auftritts polarisierte die Flasche zwar die österreichische Weinwelt, doch eigentlich erreichten die beiden Freunde – der Winzer und der Künstler – damit genau das, was sie erzielen wollten.

Jurtschitsch, Attersee und der GrüVeSchließlich solle, so Attersee, die Kunst den Menschen beschäftigen und den Betrachter zu eigenen Lösungsansätzen zwingen. Und zwar nicht in einem sterilen Museum, sondern draußen in der Welt. „Ich bin für Alltagskultur. Und mit dem GrüVe hat man ein Stück Kunst auf dem Tisch.“ Attersees kunstalltägliche Auffassung, die in den 1980ern revolutionär und heute, in Zeiten von Streetart und artistischer Hippness schon fast inflationär ist – „Ein Künstler heute hält sich gerade mal fünf Jahre, dann wird er ausgetauscht.“ – setzte sich beim GrüVe genieß- und trinkbar durch. Und so entwirft die „Kunstmaschine Attersee“ seit 1987 jedes Jahr ein neues und andersartiges Etikett für den spritzigen Kult-Wein, welcher heute von Karls Sohn Alwin Jurtschitsch an- und ausgebaut wird.

Jurtschitsch, Attersee und der GrüVeDer junge Winzer Alwin ist dabei nicht nur eine Bereicherung für die Keller und Weinberge rund um das väterliche Weingut im Kamptal. Er zeigt auch in eigener Person wie zeitlos und altersunabhängig Wein und Kunst sind. „Unser GrüVe soll allen Generationen schmecken. Durch seinen niedrigen Alkoholgehalt ist er ideal für ältere Menschen, die keine schweren Weine mehr vertragen. Und auch jungen Leuten schmeckt er, da wir heute schließlich immer mehr darauf achten, was wir zu uns nehmen und unserem Körper zumuten.“ Aufgrund dieser süffigen Allgemeinverträglichkeit bewahrt Alwin – „obwohl man nicht alles beim Wein rational bestimmen kann“ – trotz Klimawandel und wärmerer Sommer die typische Frische und Spitzigkeit des GrüVes, sodass man diesen, laut Attersee, eigentlich immer genießen kann. „Den GrüVe kann man trinken ohne Kopfweh. Selbst nach einer ganzen Flasche hat er noch immer eine erhellende Wirkung.“ Der Künstler muss es schließlich wissen, denn nichts selten erfrischt er sich beim Malen und Entwerfen mit dem ein oder anderen Glaserl oder Flascherl seines Hausweins. Und, weil die Kunst schließlich Lebensinhalt von Attersee ist, lagert auch ein beträchtlicher Vorrat seines GrüVe im Keller, Atelier und Kühlschrank des Kreativen. „Ich bin aufgewachsen und am Leben, um Kunst zu machen und am Schaffensprozess beteiligt zu sein.“

Jurtschitsch, Attersee und der GrüVeGenau dieser Schaffensprozess des Künstlers steht dabei spiegelbildlich der Arbeit des Winzers gegenüber. Denn auch dieser kreiert und entwirft aus den Gaben der Natur einen neuen Stoff, der seiner Vorstellung von Wein und Welt entspricht – oder sich jedenfalls dieser Vision annähert. Alwin weiß, „Wein ist nicht nur ein Natur-, sondern auch ein Kulturprodukt“ und so fertigt und gestaltet er durch Rebschnitt, Lese und Ausbau ein Wein-Bild, in welchem die naturgegebenen Materialen und Bedingungen mit seinen Ideen verschmelzen. So ist auch das diesjährige Geburtstags-Flascherl nicht nur von außen betrachtet ein Stück Kunst auf dem Tisch und ein „atterseeisierter“ Schluck mit erhellender Wirkung, sondern auch insgesamt und inhaltlich ein so kunstfertiges wie künstlerisches Ergebnis kundiger Hände und findiger Köpfe – im Weinberg und im Atelier, im Keller und im Kopfe.

Jurtschitsch, Attersee und der GrüVeEgal, ob man sich von einem Schluck GrüVe inspirieren lässt oder einen Blick zurück, in die Historie wirft – Wein und Kunst verstanden sich schon immer prächtig und hatten quasi als „Hanni und Nanni“ der Inspiration so manche Verehrer und Anhänger. Man denke beispielsweise an Riesling-berauschte Gedichte von Goethe oder die mythologische Figur des griechischen Gottes Dionysos, welcher, nicht nur der Gott des Weines ist, sondern auch die Schaffenskraft und Kunst zu seinem göttlichen Zuständigkeitsbereich zählen darf.

Jurtschitsch, Attersee und der GrüVeDieses dionysische Moment vereint auch den Maler und den Winzer, denn sie beide erschaffen einen Stoff, welcher die Realität erweitert und zu neuen Sichtweisen, frischen Ideen sowie innovativem und – zugegebenermaßen – manchmal auch verquerem Denken und Fühlen anregt. – Wein und Kunst. Oder ist es vielmehr kein UND, welches zwar addierend, doch trotzdem trennend zwischen diesen beiden Größen steht, sondern ein IST? Wein IST Kunst und Kunst IST Wein. Hat man dies dann einmal festgestellt, kann man auch getrost ein zweites oder drittes Glaserl genießen und – als Ode an die Unsterblichkeit der Kultur und die Ewigkeit der Schöpfung – dem frechen Wein-Mauserl auf dem GrüVe Etikett im Geiste zufrieden und freigeistig zuzwinkern.

No click. No cheers.: grueve.com

Jurtschitsch, Attersee und der GrüVe

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