Die Cinchona Bar im 25hours Hotel Zürich

Die Cinchona Bar in Zürich – Schnellzügige Drinks, Ballspiele auf hohem Niveau und die Komplexität der Einfachheit.

Eiskugelhelles Klirren, wellenmachende Klänge und samstagsvergnügtes Stimmengewirr – die Cinchona Bar in Zürich ist definitiv kein Ort, an dem man das Bedürfnis hat seine Yogamatte auszurollen, um sich in tiefenentspannte Meditations-Welten zu versenken. Und das will und soll man in der Bar des neu eröffneten 25hours Hotels in der Langstraße auch gar nicht, denn für die angemessene Versenkung sowie eine anregenden Entspannung ist hier auch so gesorgt – durch aromatische Höhenflüge in Form von Highballs. Diese kleinglasigen und schnellschluckigen Glasgesellen wandern in der Cinchona Bar allerdings keinesfalls über den Tresen – sie jagen vielmehr in einem, vom Beat begleiteten Stacchato, elegant und weltrekordverdächtig schnell von den flinken Händen der routinierten Barkeeper in die dürstenden Kehlen der anwesenden Gäste.

Die Cinchona Bar im 25hours Hotel Zürich„In Zürich gab es bisher vor allem elegante Hotelbars oder sehr mixologielastige Barkonzepte. Die Cinchona Bar ist durch die Highball-Karte etwas ganz Neues für die Szene.“ – Barchef Michael Kampmann weiß wovon er spricht, denn schließlich mixte er selbst, vor Eröffnung des 25hours Hotel Anfang April, an einem der elegantesten Tresen der Schweizer Metropole, nämlich der Clouds Bar im Prime Tower. „Die Highballs haben auf jeden Fall Erklärungsbedarf. Die meisten unserer Gäste wissen erst einmal gar nicht, was sie da erwartet.“ Neu für Zürich bedeutet allerdings nicht, dass der Highball generell neu erfunden wurde – und diesmal auch nicht von den Schweizern –, denn der leichte Drink im kleinen Glas ist weder der Marketinggag einer hippen Hotelkette, noch ein neuer Lieblingsdrink von Afroman oder Jay-Z, sondern eine traditionelle Cocktailkategorie, welche eng mit dem Longdrink verwandt ist.

Die Cinchona Bar im 25hours Hotel ZürichDer Begriff Highball entstand vermutlich im 19. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten von Amerika. Zu Zeiten, in denen die Lokomotiven nämlich noch von einem so genannten Boilerman mit Kohlen angefeuert wurden, nannte man die Momente, wo richtig Dampf gemacht und die bummelnde Fahrt zu einer rasanten Jagd wurde, highballing. Der Begriff leitete sich von einer Kugel, dem ball ab, welche mit steigendem Dampfdruck – hervorgerufen durch die schweißtreibende Arbeit des Boilermans – in einem Steigrohr emporschoss. Ebenso wie damals der Boilerman am Ball bleiben und ordentlich Gas geben, beziehungsweise Kohle schippen musste, ist auch der Highball-Drink darauf ausgelegt, schnell gemacht, schnell-zügig getrunken und mit einer hohen Fluktuation, einem Schnellzug gleich, über den Tresen zu sausen.

Die Cinchona Bar im 25hours Hotel ZürichDer glorreiche Wiederentdecker der etwas angestaubten Highball-Kategorie ist kein Geringerer als der voraustrinkende Joerg Meyer, der 2012 mit seiner Hamburger Boilerman Bar die Komplexität der Einfachheit mit klassischen, im 25 cl-Glas servierten und in schnellen Schlucken getrunkenen Shortdrinks wie Scotch & Soda, Rye & Dry oder Dark ’n Stormy wieder ins Tresenlicht rückte. „Die Gäste können durch die kleine Größe der Highballs und ihre relativ leichte Mischung von 3 cl im Laufe des Abends mehrere Drinks probieren – zudem sind wir für Zürcher Verhältnisse recht günstig“, erläutert Cinchona-Barchef Michael die trinkfreudigen Vorteile des schnellschluckigen Konzepts. Der Genuss vieler, verschiedener Cocktails bedeutet allerdings auch ein Mehr an Arbeit für den Barkeeper, der, wie ehemals der Boilerman, ordentlich Dampf machen muss, wobei auch eine entsprechend flinke Logistik eine Grundvoraussetzung des liquiden Plans ist.

Die Cinchona Bar im 25hours Hotel ZürichUm sich einmal die schwarzweißen Zahlen zu vergegenwärtigen, sei hier angemerkt, dass an einem normalen Samstag in der 200 Quadratmeter großen und 100 Sitzplätze umfassenden Cinchona Bar locker um die 1000 Highballs ihren Weg in die trockenen Kehlen der Zürcher Szene sowie internationaler Hotelgäste finden. „Man muss das Konzept als Bartender und Gast akzeptieren. Wir sind definitiv keine Location, in der man mehrere Minuten lang an einem ausgefallenen Cocktail rumrühren oder -shaken kann – jedenfalls nicht, wenn gerade Hochbetrieb ist. Bei uns ist jeder Drink perfekt, aber die Rezepturen sind darauf ausgelegt, schnell zubereitet werden zu können“, so Michael.

Die Cinchona Bar im 25hours Hotel ZürichUm den liquiden Zug in der Cinchona Bar nicht zum Bummelexpress werden zu lassen, sondern vielmehr einem Transrapid Konkurrenz zu machen, bedarf es als erstes eines fähigen und großen Teams. So bespielt den U-förmigen und von drei Seiten zugänglichen Tresen mit seinen vier Mixplätzen eine Barcrew von insgesamt sechzehn Personen, wobei schon in der Früh drei Barbacks, als Vorbereitung für das kommende Geschäft, Sirups einkochen, Säfte frisch pressen und Premixes in Flaschen füllen. Die Arbeit mit vorgemischten Ingredienzien ist dabei ebenfalls eine Arbeitsweise, welche die Cinchona Bar von ihrem älteren, aber kleineren Bruder, der Hamburger Boilerman Bar gelernt hat.

Die Cinchona Bar im 25hours Hotel ZürichUnd nicht nur diese logistische Tresentatsache hat Joerg Meyer, der gemeinsam mit seinen Ball-Kollegen Rainer Wendt, Andrej Busch und Sven Sudeck Anfang des Jahres sein brettstarkes Unternehmen Highballer gründete und das Bar-Konzept für die 25hours Hotels entwickelte, in der Zürcher Highball-Dependance etabliert und eingeführt. Ebenso wie in Hamburg werden auch in der Cinchona Bar die Drinks mit puristischer, beziehungsweise nichtvorhandener Garnitur – no Foaming, no Smoking, no Schnickschnack – versehen und die Gläser werden, dank großem Kühlraum, schon vorab mit Eiskugeln be-ballt und vorgefrostet.

Die Cinchona Bar im 25hours Hotel Zürich„Für das Frosten müssen wir definitiv immer unser Winterjacken parat haben! Die Arbeit im Kühlhaus dauert nämlich eine Weile, da wir alle Iceballs per Hand überprüfen und gegebenenfalls aussortieren müssen“, berichtet Michael vom eiskalten Cinchona-Alltag. Zudem erfolgt das Vorbereiten der Highball-Gläser im Kühlhaus in zwei Schritten. Um das Ineinander-Frieren von Glas und Eisball zu verhindern, müssen nämlich beide eisigen Protagonisten zunächst separat gefrostet werden, bevor jeweils zwei klare Eisbälle im schmalen Glas eingelocht werden können.

Die Cinchona Bar im 25hours Hotel ZürichDoch auch, wenn die Cinchona Bar ein hochprozentiger Ableger der Hamburger Boilerman Bar ist und München ebenfalls ab Oktober mit einer weiteren 25hours-Highball Bar auf den Meyer’schen Schnellzug aufspringen wird, so unterscheidet sich das Schweizer Kugel-Lager durch einige charakteristische Eigenheiten, beziehungsweise glasvolle Besonderheiten von seinen Kollegen im Norden. Zm einen wirkt die Bar durch ihr Größe und den weitläufigen, achtzig Plätze umfassenden Außenbereich offener und kosmopolitischer als der gemütlich-kneipige Hamburger Bruder.

Die Cinchona Bar im 25hours Hotel ZürichAuch das Interieur-Design ist wilder, bunter und augenzwinkernd zügellos, denn das Hotel befindet sich auf der Langstraße, einer Zürcher Partymeile, welche auch durch das ein oder andere rote Licht erhellt, beziehungsweise gedimmt wird. So kann der Besucher der Cinchona Bar – entweder mit Phantasie oder fünf Highballs intus – in einem, die Stirnseite der Bar zierenden, Mosaik ein nacktes Paar beim Liebesspiel beobachten und auch die zusammengewürfelte Buntheit der Barmöbel nebst rankendem Grün erinnert an eine liquide Spielweise, auf der man getrost ein wenig herumtollen und -ballen kann.

Die Cinchona Bar im 25hours Hotel ZürichNeben diesen Äußerlichkeiten weist auch die Karte der Cinchona Bar Unterschiede zum Hamburger Boilerman auf. „Ich habe die Barkarte zwar gemeinsam mit Joerg geschrieben, aber er ist enorm offen für neue Ideen. Gerade bezüglich der hiesigen Trinkgewohnheiten, wie die noch immer anhaltende Vorliebe der Zürcher für Gin, konnte ich viel Input geben.“ So wurden zwar einige Klassiker wie der Bourbon Highball mit Bourbon, Zitrone, Ginger Ale und Bitters oder Meyer’sche Signatures wie der Gin Basil Highball mit Gin, Zitrone, Zucker, Basilikum und Soda von Hamburg übernommen, doch das anstößige Angebot wurde insbesondere durch vielfältige Kreationen mit Fortified Wine sowie einer Gin and It-Sektion erweitert.

Die Cinchona Bar im 25hours Hotel ZürichBei Letzterer hat der eigenwillige Connaisseur die Möglichkeit sich aus einer großzügigen Auswahl an Gins und verschiedener Wermuts seinen ganz individuellen Gin and It mixen zu lassen, wobei natürlich auch Gin Tonic sowie Port and Tonic zu den trinkstarken Bestsellern im Highball-Geschehen gehören. Gerade die berühmt-berüchtigte Botanical Brause passt dabei gut ins Portfolio der Zürcher Bar – auch, wenn der ein oder andere eingetrunkene Barfly und Bartender die zwei Buchstaben „G“ und „T“ mitunter gerne aus dem Tresen-Alphabet streichen würde. Der Name Cinchona bezeichnet nämlich die botanische Gattung des Chinarindenbaumes, dessen Rinden-Extrakt Chinin die nötige Bitterkeit ins Tonic und so auch eine angenehme Herbe zum Gin bringt.

Die Cinchona Bar im 25hours Hotel ZürichNeben der Gin- und Fortified Wine-Brettspielereien hat das sympathische Team um Michael noch eine weitere Möglichkeit der eigenen Kreativität innerhalb der kleinglasigen Grenzen freien Lauf zu lassen und die eisigen Bälle mit illustren Kreationen zu umspülen. So finden beim Highball of the Day auch gern einmal so erlaubte No-Go’s wie ein Tequila Sunrise – natürlich mit frischen Ingredienzien zubereitet und neu interpretiert – ihren Weg ins vorgekühlte Glaser’l und auch Cocktails, die auf Speisen des ebenfalls hoteleigenen, israelischen Restaurants NENI abgestimmt sind, könnten in Zukunft neue Bälle ins Rollen bringen.

Die Cinchona Bar im 25hours Hotel Zürich„Wir sind generell noch am Anfang und ich freue mich auf die kommenden Monate. Unser Team ist noch in der Findungsphase, schließlich sind wir sechzehn Personen aus sieben verschiedenen Nationen, und auch die Zusammenarbeit mit dem NENI wird sicherlich noch ausgebaut werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir in Zukunft auch in Richtung Food-Cocktail-Pairing gehen werden.“ Das NENI ist durch aromatische Mezze und das Sharing-Prinzip ebenfalls eine echte Neuheit für den sonst großtellerig essenden Zürcher, der sich im 25hours Hotel also an kleinglasige Highballs und die, auf vielen, kleinen Tellern servierten Speisen gewöhnen muss – und das auch will. So werden beide Konzepte begeistert angenommen, obgleich von Seiten des Services sowie des Barpersonals noch ein wenig genussvolle Aufklärungsarbeit geleistet werden muss. „Das NENI und die Cinchona Bar sind immer voll. Und das war von Anfang an der Fall. Beide Konzepte haben in Zürich wirklich eingeschlagen.“ 

Die Cinchona Bar im 25hours Hotel ZürichGeteiltes Essen, kleine Drinks und erschwingliche Preise – Das 25hours Hotel Langstraße mit seinen kulinarischen High-Lights bereitet den Zürchern definitiv so manche, schlaflose Nacht und macht den Tag, beziehungsweise den Abend in der Schweizer Metropole um mindestens eine Stunde länger. Und für dieses Mehr an Tages-, Nacht und Trinkzeit hat Michael auch schon eine neue, herausfordernde Verwendung, welche er auf die hochprozentige To Do-List seiner Cinchona Bar gesetzt hat. „Das Thema Daydrinking hat bei unseren Gästen definitiv noch Steigerungspotential und wir werden in den kommenden Monaten versuchen das insbesondere mit unseren Fortified Wine-Kreationen voranzutreiben.“ Und da Steigerungen, Höhenflüge und Highballs schließlich dieselbe Richtung haben, kann man guten Gewissens annehmen, dass es in der Cinchona Bar in Zukunft nur einen Kurs geben wird – nämlich nach oben. Fly high, Chin-Chon und Tumbs up!

No click. No cheers.: cinchona.bar

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