Die Bar des Hotel LUX München

Bar Behavior #1 – Sitz! Platz!

Eine Bar ist ein Ort des Zusammenkommens. Ein Platz zwischenmenschlicher Beziehungen und sozialer Begegnungen. Ein offener Raum für Kommunikation und Austausch. Und all’ dies funktioniert wie in jeder Gesellschaft und bei jedem Zusammenschluss mehrerer Menschen nur durch ein gewisses Reglement. Einfach, weil wir alle vernünftige Denker, Trinker und Tresen-Artisten sind. Deshalb: Nur nichts daneben jiggern!

Hey, die Türe ist auf! Die Bar hat ihre Arme quasi weit ausgebreitet und da kann man doch, einem herzlichen Drücker gleich, einfach mal so reinstolpern und sich – hoppla ist das voll!  – an den nächstbesten, freien Tisch setzen. Ups, da steht ja ein Reserviert-Schild. Na, macht ja nix. Das steht schließlich auf jedem Tisch rum und ist sicherlich nur so eine Art schicke Dekoration.

Bill Fehn und das Jaded MonkeySKRRRRRRR!!! Einmal bitte alles zurück scrollen und kurz durchatmen. Egal, ob man nun Bartender, Restaurantbesitzer, Servicekraft oder selbst Gast ist – jeder hat es schon mal erlebt, miterlebt oder selbst getan. Sich einfach so hinsetzen. Das ist auch völlig ok – in einfachen Boazn, im netten Café ums Eck oder im Biergarten. In einer Vielzahl an Bars und Restaurants sollte man jedoch das fröhliche Hereinspazieren kurz unterbrechen, bevor man seinen mehr oder weniger hübschen Hintern auf einen der Barhocker oder einen anderen, verfügbaren, freien Stuhl platziert. Denn, selbst wenn nicht alle Tische auf denen reserviert steht auch wirklich reserviert sind, hat dieses Absichern des freien Bar-Terrains seinen Sinn und seine Berechtigung.

Eigentlich ist es auch sonderbar, dass jenes „Please to be seated“ in gefühlt allen anderen Ländern – man denke gerade an englischsprachige Destinationen – einwandfrei funktioniert. Man tritt als Gast nicht die Türe, sondern vielmehr höflich, ein, wartet einen Augenblick, um sich beim Barpersonal oder dem Service vorzustellen, die eigene Reservierung einzulösen oder nach einem freien Tisch zu fragen, an welchem man sich dann in Ruhe niederlassen kann. Ich weiß nicht, ob es an der deutsch-österreichischen Gasthaus-Historie liegt – dies würde als Entschuldigung für unsere Eltern durchgehen –, an Unwissenheit oder einfach an selbstverliebter Dreistigkeit – dies wären dann nicht ganz durchgehende Entschuldigungen für alle unter Fünfzigjährigen. Fakt ist jedoch, dass bei jeglichem Sich-Selbst-Platzieren durchaus Vorsicht geboten ist. Und zwar aus folgenden Gründen.
Bill Fehn und das Jaded Monkey

RESPEKT – „Ich und meine Jungs verbringen die meiste Zeit des Tages in der Bar. Es ist quasi unser Wohnzimmer. Und das sollte auch von unseren Gästen respektiert werden.“ Was Bill Fehn aus dem Jaded Monkey in München da so wundervoll auf den Punkt bringt, darf sich jeder Gast und auch jeder Gastgeber zu Herzen nehmen. Eine Bar ist ein sozialer Ort. Er dient dem Austausch, der Konversation und dem Genuss. Es ist ein Ort, an welchem man zwar bedient wird, der jedoch eigentlich dem Herrschaftsbereich des Chefs a.k.a. der hier ansässigen Bar-Crew untersteht. Keiner würde bei Fremden oder entfernt Bekannten einfach so ins Wohnzimmer marschieren und sich direkt und mit Füßen hoch auf das Sofa flezen, sondern vielmehr im Vorzimmer auf eine Begrüßung von Seiten der Gastgeber warten. Und genau so verhält es sich auch in einer Bar. Hier sollte nicht nur der Gast vom Personal begrüßt und abgeholt werden (!), sondern auch der Gast darf seinem Gastgeber ruhig ein nettes Hallo entgegenbringen (!!) und kurz warten, bis er willkommen geheißen und zu einem freien Tisch gebracht wird.
Bill Fehn und das Jaded MonkeyORGANISATION – Ja auch eine Bar, in welcher quasi der Rausch regiert und der geregelte Tag-Nacht-Rhythmus Kopf steht oder gegebenenfalls auf dem Tresen tanzt, ist ein Ort mit Zunft und Ordnung. Egal, ob man nun vorab reservieren kann oder nicht – wie und wo jemand sitzt, beziehungsweise hingesetzt wird, unterliegt meistens nicht dem Zufall, sondern vielmehr dem vorausschauenden Kalkül des Services. An einen Tisch für sieben Personen setzt man garantiert kein knutschendes Pärchen, das jegliches Dazu-Setzen zur spannungsvollen und nervenkitzelnden Mutprobe macht. Und auch die Plätze am Tresen sind gezählt, sodass man eine gewisse Schlichtung  der Gäste doch lieber den Profis vor Ort überlassen sollte, anstatt sich voreilig und Hintern-schwer über jegliche Ordnung hinweg-zusetzen.

Flo Saxinger, Gewinner der Carlos I. CompetitionCLEVERNESS – Ja man. Es ist verdammt clever sich als Gast nicht zu wichtig zu nehmen und ein wenig nett zu sein, sprich einfach mal Hallo zu sagen, um einen Platz zu bitten und vielleicht sogar noch zu lächeln. So eine „Vorgehensweise“ ist nicht nur gute Kinderstube und macht allen Beteiligten das Leben leichter. Es ist auch schlichtweg clever, nett zu jener Hand zu sein, welche einem anschließend das Drinkmenu und später die lang ersehnten, liquiden Tropfen des Glücks vor die Nase stellt. Denn, da wir schließlich alle Menschen sind, ist auch eine noch so professionelle Servicekraft oder ein noch so eingeshakter Barchef gegen ein gewisses Maß an Sympathie nicht gefeit und wird eventuell einen respektvollen Besucher besser und schneller bedienen, als einen selbstverliebten Hippster-Heini, der vor seinem Tinderdate die nicht vorhandene, dicke Hose aufbauschen will.

HÖFLICHKEIT – Über die Höflichkeit, welche ein Gast an den Tag legen, beziehungsweise in die Bar mitbringen sollte, wurde ja schon im Vorangehenden geschrieben und geschimpft. Das Reserviert-Schildchen, welches als Schutzschild der Bar-Crew gegen den hereinstürmenden Pöbel absolut seine Berechtigung hat, sollte jedoch niemals als Freifahrschein für eine nasenhochtragende Arroganz von Seiten des Servicepersonals angesehen werden. Keiner – gewisse Barlegenden außer Acht gelassen – darf und sollte Gäste von oben herab abfertigen und selbst, wenn man in der neusten, coolsten und abgefahrendsten Mixology-Rooftop-High-Hippsteria-Schickeria-Bar arbeitet, ist der Gast noch immer ein Mitmensch, der mit Respekt behandelt werden sollte und – by the way – schließlich auch zahlender Kunde.

SITZ! PLATZ! Und wenn diese Lektion dann erfolgreich beherrscht wird, gibt es sicherlich auch ein liquides Leckerli plus freundlichem Lächeln als hochprozentige Belohnung.
Flo Saxinger, Gewinner der Carlos I. Competition

Prosten und posten!

Schreibe einen Kommentar